Nach Koalition mit der Content-Industrie: Ich bin raus aus Ver.di!

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Ich bin ja eigentlich ein großer Freund von Gewerkschaften, denn sie sind die einzig gangbare Form sich mit Nachdruck gegen Arbeitgeber zu wehren, gute Löhne herauszuholen und Arbeitnehmerrechte zu sichern. Seit knapp 10 Jahren war ich Mitglied bei Ver.di, habe brav meine Mitgliedsbeiträge gezahlt. Ich habe ertragen, dass Gewerkschaften doch nur auf dem Schoß der Mächtigen sitzen. Ich habe es ertragen, weil eine Mitgliedschaft für mich alternativlos war. Ich habe mit angesehen wie Ver.di ein böses Spiel gegen die Anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU getrieben hat. Ich habe mich lustig gemacht über altbackene Protestformen der Arbeitnehmervertreter – und doch war mir die Mitgliedschaft immer einen guten monatlichen Betrag wert, weil ich die Gewerkschaft für unter dem Strich eine gute Sache hielt.

Damit ist es jetzt vorbei!

Ich las gerade folgendes:

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di lädt zum Welttag des geistigen Eigentums – Montag, dem 26. März 2010 – zusammen mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), dem Bundesverband Musikindustrie (BMVI), dem Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels unter dem Titel „Diebstahl geistigen Eigentum im Netz: 5 vor 12 für die Kreativwirtschaft“ zu einer Pressekonferenz.

Wer mit den grundrechtsfeindlichen Rechteverwertern zusammenarbeitet, Zensur, Deep Packet Inspection und Three Strikes Regelungen in Kauf nimmt, unseriöse Studien verbreitet und den Pakt mit den Feinden der Freiheit eingeht, hat meiner Meinung nach mit fortschrittlicher Politik – wie immer sie auch aussehen mag – nichts am Hut.

Noch vor der Pressekonferenz am kommenden Montag hat Ver.di mein Austrittsschreiben im Briefkasten. Und ich hoffe, dass viele Menschen genauso reagieren.

(via)

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

6 Kommentare

  1. User says:

    Ich bin zwar in keiner Gewerkschaft aber ich kann meine meinung dazu sagen: das finde ich aufrichtig und danke für deinen (Text-)Beitrag!

  2. Mic Hunger says:

    Ein kluger Schritt.

  3. egal says:

    interessiert eh keinen. je weniger mitglieder, desto leichter haben es die korrputen spitzenfunktionäre.

  4. nik says:

    Voll korrekt.

    Kleiner Hinweis: Vorsicht mit der Wort/Bildmarke (?) verdi!

  5. Paul Sander says:

    Die Gewerkschaften befinden sich auf dem Aktivitätsniveau einer durchschnittlichen deutschen Behörde wenn es um die Unterstützung der eigenen Mitglieder geht.Wer austreten will bekommt eine Liste mit Versicherungen auf die man mit dem Austritt verzichten muss….Hallo ich brauche keine Versicherungen sondern Hilfe im Konflikt mit Arbeitgebern,Lohndumping ect…die Versicherungen bekomme ich auf dem freien Markt billiger.Die Gewerkschaften sind wie auch die SPD zu einem zahnlosen Papiertiger verkommen.Ich kann aus meiner 25-jährigen Berufserfahrung sagen das Betriebsräte und Gewerkschaften in Deutschland Arbeitgeber-orientiert und somit überflüssig sind.Ich kenne keinen einzigen Fall in dem die obigen Herrschaften auch nur einem Kollegen wirklich und nachhaltig geholfen haben.Geht doch mal in eine der Gewerkschaftszentralen dort modern unzählige Gewerkschaftler gut versorgt umgeben von einer Friedhofsruhe vor sich hin,daß man es als arbeitender Mensch kaum glauben mag…Ich fahre mittlerweile besser mit der Devise…hilf dir selbst dann hilft dir Gott…..übrigens ist das beitragsfrei….wer sich von denen noch Hilfe erhofft ist wirklich von allen guten Geistern verlassen,denn diese Organistaionen sind mittlerweile nur noch Karriere und Versorgungsanstalten für alle die ihr Berufleben “risikolos und angenehm” gestalten wollen.Wir sagen Nein zu den “uneigennützigen” Weltverbesserern..die uns genauso verarschen wie die Arbeitgeber.

    Paul Sander

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