(c) Leftvision

Berlin: Zwangsräumung gegen 1000 Demonstranten gewaltsam durchgesetzt

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Mehrere hundert Polizeibeamte haben heute die Zwangsräumung der Familie Gülbol aus ihrer langjährigen Wohnung gewaltsam durchgesetzt. Schon in den frühen Morgenstunden hatten Demonstranten die Zugänge zur Wohnung blockiert, um der Gerichtsvollzieherin den Weg zu versperren. Der Eigentümer der Wohnung hatte trotz beglichener Mietschulden an der Räumung der fünfköpfigen Familie festgehalten. Vermutlich auch, weil diese einen alten Mietvertrag zu recht günstigen Mietkonditionen besitzt.

Mehr als 1000 Menschen protestierten insgesamt gegen die Zwangsräumung. Auffällig war die Vielfältigkeit der Protestierenden: von der Oma mit Migrationshintergrund bis zum Teeniepunk reichte das Spektrum. Parteien beteiligten sich genauso wie Sportvereine am Protest, Junge mischten sich mit alten Menschen, radikalere mit weniger radikalen. So sieht bunter Protest aus, wenn immer mehr Menschen merken, dass sie die Miete kaum noch zahlen können.

Verhindert werden konnte die Räumung jedoch nicht: die Polizei setzte nicht nur Hubschrauber, sondern vor allem Schlagstöcke, Fäuste und mehrfach Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten ein. Die Gerichtsvollzieherin wurde als Polizistin verkleidet (ist das rechtens?) über einen anderen Hinterhof in das Haus geschleust. Grüne, Linke und Piraten kritisierten wie auch das Demobündnis den Polizeieinsatz als völlig überzogen.

Dieser Videobericht fängt die Atmosphäre des Tages ganz gut ein:

Update – Weitere Artikel und Berichte:
Freitag.de: Eine Berliner Linie
ND: Zwangsräumung mit aller Macht
Berliner Zeitung: Verkehrschaos nach Blockade-Demo
Tagesspiegel: Aktivisten protestieren bei Polizeieinsatz in Lausitzer Straße
Berliner Zeitung: Ein maßloser Einsatz
BZ: Protest gegen Räumung in der Lausitzer Straße (Vorsicht: Springer-Link)
Berliner Kurier: dpa-Meldung
SZ.de: In Kreuzberg haben wir das immer so gemacht

geschrieben von: Mikael in den Fahrt

Der 1972 im niederländischen Groningen geborene Mikael in den Fahrt will die “bourgeoise Monotonie von Metronaut von allen Seiten aufbohren”. Seit 2010 schreibt der gelernte Volkswirt sporadisch für Metronaut.

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