CC-BY Felix Huth

Ekelhaft: Die Denunzianten-App “Straßensheriff”

CC-BY Felix Huth

Die Vollkaskogesellschaft schlägt wieder zu. Als hätten wir mit Prism & Co nicht eh schon die totale Überwachung, will jetzt ein ehemaliger Greenpeace-Campaigner auch noch eine Straßensheriff-App unter die Leute bringen. Mit der App können die Nutzer ihre Mitbürger mit ein paar Klicks bei der Polizei anzeigen.

So heißt es in der Selbstdarstellung:

Sie [die App] ermöglicht den Dialog mit dem Autofahrer, ist aber auch das Mittel der Wahl, wenn dieser versagt: Ein Klick, ein Foto, und GPS-Daten fügen sich zu einer Anzeige zusammen und werden mit den eigenen Absenderdaten an Amt oder Polizei übermittelt.

Herrlich! Noch nie war Denunziantentum so einfach. Die Macher der App verbrämen das Überwachungstool hingegen als Dienst an der Gesellschaft:

Unsere App macht Städte cleverer – und damit besser. Weil viele anfangen, mitzudenken und Rücksicht zu nehmen. Deshalb stärken Politik, Polizei und Kommunen den Rücken, mutiger für mehr Lebensqualität, Sicherheit und Klimaschutz einzutreten.

Nun kann man sich tatsächlich freuen, dass notorische Gehwegparker und Verkehrsrowdys eins auf den Deckel bekommen.

Aber: Was heute noch gegen Falschparker eingesetzt wird, kann morgen im Park den Falschgriller, den Obdachlosen an der Ecke oder den “verdächtig aussehenden Ausländer” (TM) treffen. Oder den Nachbar, der laut Musik hört. Oder einfach einen Menschen, den man nicht mag. Denn Denunziantentum eignet sich hervorragend, um Menschen Scherereien mit der Polizei zu bereiten. Mit zwei Klicks geht das dann einfacher als je zuvor.

Mal ganz abgesehen von den datenschutzrechtlichen Implikationen der App, die als ungeklärt gelten können: Anstatt auf Verantwortung, Dialog, Aushandlung, Toleranz und den gesunden Menschenverstand zu setzen, verschiebt diese App zwischenmenschliches Verhalten auf eine polizeiliche Ebene. Sie gewöhnt Menschen daran, ihre Mitbürger zu verpfeifen. Das ist nichts anderes als obrigkeitsstaatliche Kackscheisse. Ekelhaft!

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

20 Kommentare

  1. Ben says:

    Da gefällt mir die APP Parksheriff melden doch deutlich besser! Ich sehe einen Parksheriff bzw. Mitarbeiter vom Ordnungsdienst, positioniere den und alle anderen sehen ihn auch. Ein schönes Frühwarnsystem für Bürger im Graubereich und solche, die einfach nur mal ihren Hund ohne Leine laufen lassen wollen oder einen gepflegten Joint naschen möchten.

  2. S. Häuble says:

    Also ich finde das gut. Bürger, die sich nichts zu schulden kommen lassen, müssen ja auch nicht zu befürchten haben. Gesetzestreuen Bürgern hingegen, wird mit dieser App der sonst so mühseelige Prozess der Anzeige erleichtert. Ich habe volltest Vertrauen in unsere Polizei und Sicherheitsbehörden, sie haben in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellt, dass man sich auf unsere “Freunde und Helfer” verlassen kann.
    Diese App hat das Potential, die gute Beziehung zwischen Bürgern und Staatsmacht zu vertiefen und den ständigen Unterminierungsversuchen seitens linker Extremisten entgegen zu wirken.
    Die in diesem Blogeintrag anklingende Kritik, die App könnte schnell auch gegen vermeindliche Bagatelldelikte eingesetzt werden, ist nicht nachzuvollziehen. Hier werden Tätigkeiten bewusst verharmlost, die das harmonische Zusammenleben in unserer Wertegesellschaft torpedieren. Die Städte haben gute Gründe, Grillen auf bestimmten Grünflächen zu verbieten, Geruchsbelästigung und Brandgefahr werdne hier aber komplett ignoriert. Und ich würde gerne sehen, wie der Herr Blogschreiber den Opfern des internationalen Terrors zu erklären versucht, verdächtige Ausländer sollten aus falsch verstandener Political Correctnes nicht gemeldet werden. Die Bundesrepublik ist ein Rechtsstaat auf den die Welt mit Neid blicken kann. Bürger, die aktiv dazu beitragen, dass unsere Demokratie auch weiterhin eine wehrhafte bleibt, als Denunzianten zu bezeichnen, ist ignorant und populistisch.

    • studir says:

      Thomas Mann hat einen Film über solche Kriecher ,wie Sie gedreht!

      Pfui Deibel; und damit meine ich nicht den Film

    • A. von Wittgenstein says:

      Also wenn sich alle Bürger so peniebel an die Gesetze halten, ohne diese zu Hinterfragen und falls nicht, sofort denunziert werden, dann sind wir Nullkommanichts wieder in den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte angelangt. Zum Glück gibt es Menschen die sich dagegen wehren, wie dieser Blogger, wenn alle so denken und handeln würden wie Sie Herr/Frau Häuble hätten wir einen Zustand in Deutschland in der Angst und Unterdrückung herrschen.

    • gehtdichnixan says:

      Deutschland, ein Rechtsstaat auf den die Welt mit Neid blicken kann…? Das ich nicht lache. so Leute wie Du sind der eigentliche Abschaum unserer Gesellschaft. Menschen reden nicht mehr miteinander sondern zeigen ihre Nachbarn nur noch über eine App bei dem Ämtern an und wegen was? Wegen irgendeinem Scheissdreck. ihr habt echt keine anderen Probleme, dass ist das Hauptproblem.

  3. M. Seepferd says:

    Auch wir von der Post-Privacy-Fraktion finden diese App einfach nur geil. Endlich folgt mal jemand unserem Ruf nach aktivistischem Big Data und ihr versucht das mit Denunziantentum abzutun. Dagegen ist Datenschutz so was von bürgerlich und kleinkariert. Auch die pro-kapitalistischen Potentiale dieser neuen Technologie sind doch wunderbar und emanzipatorisch. Da lässt sich sicherlich auf der einen oder anderen Podiumsdiskussion vortrefflich und auch lukrativ darüber streiten.

  4. nobnop says:

    Nur ein Volk von Denuntianten braucht diese App.

  5. nike says:

    geiler scheiß!!!

  6. nobnop says:

    Was hat das a) mit Datenschutz und b) mit big Data zu tun? Thema verfehlt, setzen, 6.

  7. martin däniken says:

    Vor allem soll die App helfen Radwege von Falschparkern zubefreien und Freiheit ist ein hohes Gut! Wer nicht auf Radwegen parkt hat auch nichts zubefürchten,ganz einfach. Und Deutsche immer als Denunzianten zubeschi äh bezeichnen ist dem Diskurs auch nicht dienlich. Wir sind halt ein staats(er)tragendes mitteilsames auf unseren Nächsten achtendes Volk! Nicht das wir weil es uns so gut geht nicht irgend etwas finden würden das uns stört,neenee…

  8. Die Stasi 2.0 App hat uns gerade noch gefehlt. Was ist eigentlich mit den ganzen Radfahrern, die ständig auf Gehwegen fahren und auch immer über rote Ampeln rasen? Dafür sollte es mal eine App geben!

  9. Martin Däniken says:

    Ob sich die Polizei wirklich freut mit Daten von solchen Apps versorgt zuwerden? Mich würde nicht wundern wenn diese Meldungen sehr sporadisch bearbeitet werden oder bis ein Innenminister sagt:”Jungs und Mädels diese Sachen sind wirklich wirklich wirklich wichtig. Kümmert euch drum,lasst Ehepaare sich aufs Blut streiten.Die Mordkommision kann sich dann darum kümmern…” O.k. die Daten der Sheriff-App in Verbindung mit Handy-Daten und Demos da wird es interessant,oder

  10. www.startnext.de/die-strassensheriff-app says:

    Wir wäre es denn, wenn die Strafen für Parken auf dem Rad- oder Gehweg bei 500 Euro liegen? Dann müsste man sich um das Problem nicht weiter kümmern. Auf der Autobahn parkt ja auch keiner. Und bitte, schaut doch auf http://www.startnext.de/die-strassensheriff-app einmal wirklich alle Funktionen an, bevor Ihr Euch auf ein einzelnes Thema fokussiert. Und dann empfehle ich auch immer mal, das D-Wort unter Wikipedia nachzulesen. Damit hat es nichts zu tun.

  11. Fish says:

    Viel ekelhafter als diese App finde ich tote oder verletzte Verkehrsteilnehmer, die einen Unfall haben weil Rad- oder Gehwege zugeparkt sind und sie auf die Straße ausweichen müssen.
    Denkt mal da drüber nach. Wenn’s eure Kinder erwischt würdet ihr auch anders denken.

  12. Dino Evans says:

    Ja ja zweischneidige Sache, einerseits neven diese Zweitereiheparker und Radwegparker massiv und das Ordnungsamt tut echt nicht genug um diese Sache einzudämmen, hier ist eine Flotte kleine Anzeige oft mal nötig.

    Wo sind denn die ganzen Nixzuverbergenopis, hier sind sie plötzlich mal empfindlich wenns ums Blech geht.

    Andererseits gibts auch den tumben Blockwart der jede Kleinigkeit denunzieren wird, die Kosten fürs Autofahren werden definitiv steigen. Inklusive Nachbarschaftsstreit und Revanchismus.

    Letztlich steigen die Einnahmen der Stadt und die Ordnungsamttagelöhner werden arbeitslos, nicht dass ich denen nichts Schlechtes gönne naja…

    Irgendwann kommt noch die Naviapp die einen selbstdenunziert wenn man das Geschwindigkeitslimit überschreitet.

    Autofahren hatte früher mal was von Freiheit!

  13. Michael Schreiber says:

    Ich finde die Idee hat Zukunft. Wer war nicht schon in einer Situation, wo er die Polizei bräuchte, die Dame vom Ordnungsamt oder einen Zeugen der ein Fehlverhalten eines Strassenraudies beweißt. Mit der App gibts die Möglichkeit ein Bild aufzunehmen und die Situation sofort festzuhalten und an die geeigente Stelle zu schicken. Ich bin dafür, daß die App kommt.

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