Foto: Peng Collective

Der Stall ist voll: Die Weihnachtskarte der Kanzlerin

Foto: Peng Collective

Die netten jungen Herren mit dem CDU-Schirm, dem Einsteckschal und dem Plastikweihnachtsbaum verteilen Weihnachtskarten mit dem persönlichen Gruß von der Kanzlerin. Da freuen sich die älteren Passanten. Oh, von der Kanzlerin persönlich. Das ist ja toll.

Was den begeisterten Passanten auf den ersten Blick nicht auffällt: Das Weihnachtsmotiv der Kanzlerinnen-Karte zeigt nicht nur die stereotype Krippensituation, sondern einen Stall, der mit Stacheldraht gegen Flüchtlinge geschützt ist. Links bohrt sich eine Mistgabel in den Arm eines verblutenden Flüchtlings, auf der rechten Seite die Sense eines Hirten in den Bauch einer außerhalb des Stalls stehenden Frau. Und unten prangt dick und fett das Logo der CDU.

Im Klappentext der Karte steht:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Weihnachten ist und bleibt für mich ein Zeugnis lebendigen Glaubens in unserer Gesellschaft. Wir schauen auf die Krippe, in der das Kind lag, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Das Bild dieses verletzlichen Kindes inmitten der Enge des kleinen Stalls ist ein Symbol für die Geborgenheit der christlichen Gemeinschaft. Es sollte uns aber auch daran erinnern, dass diese Gemeinschaft kostbar und schützenswert ist.

Die Abschiebung in sichere Herkunftsländer mag auf den ersten Blick vielleicht nicht christlich erscheinen, aber ist es nicht noch weniger christlich, zu viele aufzunehmen und damit das Gedeihen der ganzen, unserem Schutz anbefohlenen Gemeinschaft zu gefährden?

Unser Wohlstand ist der verdiente Lohn unserer Arbeit und unserer christlichen Tradition. Deshalb sollten wir, als Hirten unserer Gemeinschaft, umsichtig und maßvoll abwägen, wen wir in unsere Herde aufnehmen. Denn Hilfe zu leisten bedeutet auch, die Kapazitäten des Einzelnen nicht überzustrapazieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest.

Angela Merkel

Die Kommunikationsguerilla hat mal wieder zugeschlagen. Zusätzlich zur Straßenaktion hat Peng nach eigener Auskunft noch 2000 Karten an Prominente, Würdenträger und Politiker im Namen der CDU versandt. Von AfD-Chef Lucke bis zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz, sie alle haben eine Weihnachtskarte der Kanzlerin bekommen, sagt Hannes Böttger, einer der Initiatoren der Aktion.

Jetzt soll die Aktion weitergehen, heißt es auf der dazugehörigen Kampagnen-Webseite noxmasformerkel.de:

Wenn Sie an Merkels Asylpolitik denken, haben Sie auch eher unweihnachtliche Szenen im Kopf? Unter dem Hashtag #noxmasformerkel können Sie Beispiele für rassistische oder inhumane Zustände posten, die Merkel durch Nichtstun oder aktive Politik hinnimmt oder fördert. Sie können aber auch einfach ihre Meinung zu Merkels Asylpolitik teilen. Denn egal ob gläubig oder nicht, wer es wie Merkel als unchristlich bezeichnet, zuviele Geflüchtete aufzunehmen, hat Weihnachten nicht verstanden.

weihnachtskarte_cdu

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

6 Kommentare

  1. Nächstes Mal Duftkarten!

  2. Joh says:

    Tolle Aktion, ich komme selbst immer mehr dahinter, wie sehr diese Form des “U Gehorsams” bedeutend und zielführend ist (..vielleicht die einzige?).
    Dennoch: glaubt ihr, dass alle Menschen die Ironie und die dahinterliegende Botschaft erkennen?
    Ich befürchte, viele fühlen sich dadurch in ihrer menschenfeindlichen Sichtweise noch bestätigt. “Absolution” quasi…

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