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Nach Verbot: Aktionskünstler rufen “Marsch der Unentschlossenen” aus

Da hat das Bundeskanzleramt wohl kalte Füße bekommen. Die Polizei verbietet den vom Zentrum für politische Schönheit angemeldeten “Marsch der Entschlossenen” mit einer weitreichenden Auflagenverfügung:

  • Der Marsch darf nicht vor dem Kanzleramt enden
  • Es darf kein Bagger mitgeführt werden
  • Es dürfen keine Leichen mitgeführt werden
  • Särge müssen im Vorfeld vom Gesundheitsamt untersucht werden

Damit ist die Kunstaktion verboten und nicht mehr in der bisher geplanten Form möglich. Die Aktionskünstler verurteilen das Vorgehen der Behörden als “Akt grober Staatsgewalt” gegen die Kunstfreiheit. Auf Facebook reagierten die sie mit einer Umbenennung der Aktion in “Marsch der Unentschlossenen”, sie fordern nun die Teilnehmenden in einer Art “NOT-TO-DO”-List auf:

Bitte bringt zum Marsch keine Holzkreuze, keine Särge, keine „sargähnlichen Behältnisse“, keine Bagger, keine Schaufeln, keine Grablichter, keinen Schnellzement oder Presslufthammer mit, sondern allerhöchstens Blumen, die sich auf der Marschroute zum Bundeskanzleramt nicht im Schutze der breiten Masse festbetonieren lassen.

Ganz ohne Ironie bitten wir Euch um Folgendes: Geht NICHT massenhaft mit Särgen vors Kanzleramt! Organisiert Euch auf KEINEN Fall selbst, seid NICHT ungehorsam, seid NICHT kreativ, tragt auf KEINEN Fall selbst irgendeine Verantwortung, verselbständigt NICHT die Aktionen. Und errichtet NIEMALS in der Nacht zum Sonntag in ganz Europa Gräber in der Öffentlichkeit und ERST RECHT NICHT während des Marsches. Auch NICHT auf der Wiese des Bundestags oder sonstwo.

Der neue Aufruf lässt einigen Interpretationsspielraum. Die Aktion findet am Sonntag, den 21. Juni ab 14 Uhr, Unter den Linden 12 (Ecke Charlottenstraße) in Berlin statt.

Unterdessen entstehen im öffentlichen Raum vieler Städte – von Maastricht bis Fulda – symbolische Gräber für unbekannte Flüchtlinge. Diese werden auf unknownrefugees.tumblr.com gesammelt. Die Aktionsform, die am 18. Juni in Berlin startete und augenscheinlich nicht von den Aktionskünstlern selbst ist, scheint um sich zu greifen.

Hierzu ist jetzt auch noch eine Anleitung im Ikea-Stil aufgetaucht:

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geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

4 Kommentare

  1. Kain Thema says:

    Sicher sollte man auch daran erinnern, keine alten Schuhe von Laichen mit sich zu führen. Nach Abschluß der Veranstaltung bestünde beim Nachhausegehen die Gefahr, daß diese sich auf unerklärliche Weise in den Zaunen des Kanzleramtes und seiner Umgebung verfingen. Um Mißverständnisse auszuschleißen könne jeder, der auf seinem Heimweg am Kanzleramt vorbeikäme – duch Hochhalten eines solchen Schuhs – zeigen, daß er diesen bei sich trage (natürlich schließt ein solches Zeigen nicht aus, des Schuhs nicht doch noch unerwartet verlustig zu werden). Vorbeugend sollte man daher vielleicht klarstellen: Es sollte sich auch nicht verlustigt werden (was natürlich rein vorsorglich auch für die Insassen des Kanzleramtes gelten dürfte.)

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