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Mit Kunst und Kommunikationsguerilla gegen Rechts

Gegen Nazis und Rassisten helfen nicht nur gesellschaftliche Ächtung, Demos und schwarze Kapuzenpullover, sondern auch Kunst und Kommunikationsguerilla. Was schon früher bei der Apfelfront und dem Aktionskomitee nudistische Offensive praktiziert wurde, blüht spätestens seit dem Auftreten von Pegida im letzten Jahr ganz wunderbar auf. Mit Aktionskunst gegen Rechtsradikale – wie geht das? Ein paar Beispiele:

Mit einem ganzen Konglomerat an Twitter-Accounts und Facebook-Seiten narrten die Kommunikationsgueriller@s des fiktiven Antifa e.V. die rechte Szene – bis in die CDU hinein. Die Antifa sei staatlich finanziert, Aktivist:innen würden für Demos bezahlt und ähnlichen wunderschönen Mumpitz untermauerten die Aktivisten mit einer gefälschten RT Deutsch Infografik. Die taz spielte den Streich mit und brachte diesen schönen Artikel. Bis heute glauben vereinzelte Rechte an den Quatsch – zur Belustigung aller anderen.

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Einen anderen Weg wählten Aktivist:innen aus Schwerin. Ihr Prinzip war: Eine Webseite für den örtlichen Pegida-Ableger anmelden und dann mit den Plakaten mit der Webadresse mvgida.de auf deren Demo einschleichen. Dankbar nahmen die Rechten die vorgedruckten Plakate an und machten so unverhofft Werbung für Demokratie und Nazi-Aussteigerprogramme.

Gegen die rassistischen Proteste in Freital hingegen plakatierte die Künstlergruppe Dies Irae vor Ort antirassistische Motive an offiziellen Plakatwänden und Bushaltestellen – und setzte so einen Kontrapunkt, der für Aufmerksamkeit im Netz sorgte. Auch sonst sind die Adbusting und Streetart-Aktionen von Dies Irae übrigens sehenswert.

Bestimmt noch ausbaufähig ist die jüngste Aktion des Zentrum für politische Schönheit: Die Aktionskünstler machten – mit Theaterwaffen bestückt – Hausbesuche bei Neonazi-Größen in Dortmund. Leider blieb der bundesweit bekannte SS-Siggi dann doch lieber hinter verschlossener Türe anstatt sich den vermeintlich Bewaffneten zu stellen. Die Aktion war Auftakt für das Theaterstück der Gruppe, das ab 19. September Schauspiel Dortmund aufgeführt wird.

Eine sehr schöne Störer-Plakataktion gab es beim so genannten Antiterroranschlag in Kohlfurt anlässlich der Bügermeisterwahl. Dem rechten Kandidaten wird mittels Plakat direkt von Hitler empfohlen doch endlich mal den Scheitel richtig rum zu legen (hier das Bild).

Angesichts der mittlerweile täglichen Brandanschläge und zunehmender rechter Gewalt können Kommunikationsguerilla-Aktionen nur ein Mosaikstein im Kampf gegen die Nazis sein. Doch dieser Mosaikstein ist wichtig, denn sonst gibt es ja gar nichts mehr zu lachen.

geschrieben von: Priska Pachuli

Priska ist seit 2012 bei Metronaut und macht dort, was sie will.

5 Kommentare

  1. händehoch says:

    Ganz, ganz toll liebe Antifas – jetzt habt ihrs den Rechten mal wieder so richtig gegeben! Webseiten, Tweets und Infografiken sind für die Betroffenen rechter Gewalt und Flüchtlinge eine unglaubliche Unterstützung ihren schwierigen Alltag zu meistern. Dafür könnt ihr euch ruhig auf die eigene Schulter klopfen. Applaus, Applaus, Applaus!

  2. Rolf-Peter says:

    Wem nützen diese Aktionen – den Aktivisten oder den Betroffenen? Ich habe den Eindruck, das außerhalb der Aktivistenkreise solche Aktionen kaum wahrgenommen werden und das sie letztlich auch keinen Einfluss auf das Geschehen haben.

  3. replique says:

    Liebe Metronauten, wenn ihr keine Kommentare möchtet, schaltet diese Funktion aus. Es ist sehr enttäuschend, wenn ihr kritische aber sachlich geschriebene Kommentare zu euren Artikeln einfach löscht.

    • John F. Nebel says:

      Wir haben in den letzten sechs Jahren maximal 3 Kommentare gelöscht. Zwei davon waren strafrechtlich relevant, einer waren wüsteste Beschimpfungen und Beleidigungen gegen einen Autoren von uns. Wegen Urlauben hatten wir eine zeitlang die Vormoderation an, kann sein, dass dein Kommentar da drin hängen geblieben ist, während hier die Leute am Strand waren.

      • replique says:

        Wenn Kommentare ewig in der Moderationsschleife hängen, sieht man sie eben nicht. Daher der Eindruck, das sie ausgesiebt wurden.

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