Tag Archiv für 'Demo'

Aufruf zur Anti-ACTA-Demo in Berlin am 11.2.2012

Die Berliner Initiative gegen ACTA ist nun auf www.stopactaberlin.de zu erreichen. Für den Samstag, den 11. Februar ist ab 13 Uhr eine Demonstration durch Berlin-Mitte geplant.

Hier der Aufruf des Bündnisses:

Gemeinsam können wir ACTA stoppen. ACTA geht uns alle an.

Das freie Internet steht einer großen Bedrohung gegenüber: ACTA. Das internationale Handelsabkommen “Anti-Counterfeiting Trade Agreement” steht kurz davor, von der EU und ihren Mitgliedstaaten angenommen zu werden. Doch der Widerstand gegen ACTA wächst weltweit und die erfolgreichen Proteste in Polen zeigen: Gemeinsam können wir ACTA stoppen!

WARUM WIR GEGEN ACTA SIND:

  • ACTA ist undemokratisch und hinter verschlossenen Türen verhandelt worden. Während Vertreter der Pharma-, Film- und Musikindustrie mitreden durften, wurden gewählte Abgeordnete und die Zivilgesellschaft ausgeschlossen. Nationale Parlamente oder das EU-Parlament durften also nicht mitreden, sie können nun lediglich zustimmen oder ablehnen.
  • ACTA gefährdet Menschenleben: Harte Sanktionen im Transit sollen den Zugang zu kostengünstigen Medikamenten (Generika) erschweren. Die Leidtragenden sind zumeist Menschen in Entwicklungsländern, welche sich die teure Medizin aus den Industriestaaten nicht leisten können.
  • ACTA bedroht das freie Internet: Provider und Webseiten-Betreiber sollen ermutigt werden, ihre Nutzer zu überwachen und Inhalte herauszufiltern. “Freiwillige” Lösungen zwischen privaten Akteuren werden durch das ACTA-Abkommen gefördert. Dadurch werden unsere Grundrechte in die Hände der Wirtschaft gegeben.
  • ACTA zementiert das veraltete Urheberrecht: Das Abkommen soll eine Grundsatzentscheidung treffen, damit alte und überkommene Geschäftsmodelle in die nächsten Dekaden gerettet werden. Dadurch stellt sich ACTA gegen Innovation und zeitgemäße Modelle, die den Interessen von Nutzern und Kreativen Rechnung tragen. Die rasanten Umbrüche der modernen digitalen Welt werden ignoriert.

Weiterlesen ‘Aufruf zur Anti-ACTA-Demo in Berlin am 11.2.2012′

Solche Demos brauchen wir gegen ACTA

Wenn ich mir das so anschaue: Ich bin ganz schön entzückt, was die Polinnen und Polen gegen ACTA gerade auf die Beine stellen. Lasst uns doch hier auch mal loslegen und dieses Abkommen stürzen. Wenn man sich nämlich diese Karte anschaut, dann sieht man, dass hier noch gar nichts läuft.

Aber: Am 11. Februar um 15 Uhr soll es endlich auch hier richtig losgehen mit Demos und Aktionen. Dafür gibt es eine Facebook-Seite, für alle, die nicht dort sind, hilft Netzpolitik und dieses Piratenpad weiter. Oder dieser Artikel von mspro.

Occupy-Proteste: spontan, unerwartet und kreativ (Update)


Kaum ploppt eine neue Bewegung auf, wird sie erstmal von links zerlegt: Sozialdemokratisch, irgendwie antisemitisch sei der Protest, eine verkürzte Kapitalismuskritik und bürgerliche Gewissenberuhigung sowieso.

Natürlich kann dieser Eindruck aufkommen, wenn Leute Schilder tragen, die einen Ackermann für all “das Böse” verantwortlich machen und viele nicht verstehen, dass diese Personalisierung dem Kapitalismus in die Hände spielt. Klar, kommt mir als antinationalem Menschen die Galle hoch, wenn Leute Parolen rufen, die das Wort “Volk” enthalten. Und natürlich sind da viele Menschen dabei, die in der Krise um bürgerliche Aufstiegschancen und materielle Sicherheit bangen und nur deswegen politisiert sind. Und logisch, rege ich mich über die obrigkeitshörigen “Aktivbürger” auf, die verhindern wollten, dass nach der ersten Polizeiaktion wieder Zelte in die Sitzblockade gebracht werden, da das ja eine ganz ganz schlimme Provokation gegenüber der Polizei sei.

Auf der anderen Seite sind spontan, unerwartet, bunt und kreativ zehntausende in diesem Land auf die Straße gegangen. Sie eint bisher nur ein “nicht weiter (so) mit dem Kapitalismus”. Viele von ihnen haben zum ersten Mal demonstriert, haben wenig Erfahrung, aber ein Schild gemalt. Das war am Samstag ein bunt zusammengewürfelter Haufen, ein recht diverser Querschnitt der Gesellschaft – und gerade eben nicht die üblichen Verdächtigen. Obwohl die auch da waren. Neben von Banken geprellten Rentnern, neben Hipstern auf Technowagen, (spanischen) Studierenden, Vätern mit Kindern, Nerds mit Anonymous-Masken und wütenden BVG-Angestellten. Neben Erwerbslosen und gutverdienenden Mitvierzigern. Neben bärtigen Altkommunisten und politisierten Jugendlichen. Das ist erstmal ein guter Anfang, denn ein breiter Protest ist für Regierungen immer ungemütlicher als eine leicht zu kriminalisierende linke Politgruppe.

Und die Leute auf der Straße haben erkannt, dass es sich um ein globales Problem handelt, wegen dem sie auf der Straße sind. Überall wurde auf der Demo in Berlin, Solidarität mit Protesten in anderen Ländern gezeigt, ob nun mit den Leuten vor der Wallstreet oder der Revolution in Ägypten. Hier wird Bezug genommen auf die anderen und vielen ist endlich klar, dass der Kapitalismus eben eine weltweite Scheisse ist. Auch das ist gut in einer Welt, in der Arbeitnehmer gegen andere Arbeitnehmer mit vermeintlichen Standortvorteilen ausgespielt werden.

Wer heute kritisiert, dass an den offenen Mikrofonen auch Spinner und Freaks zu Wort kamen, der hat Recht, verkennt aber dass diese Form der Redebeiträge eben etwas anderes ist, als diejenigen auf der immergleichen 15.000-Euro-Bühne bei Gewerkschaftsdemos oder auf dem Truck der Revolutionären Antifa.

Was überhaupt ein Eindruck auf der Demo war: hier gab es keine Organisatoren, die mit eisenharter Hand den Ablauf der Demo deckelten. Es wurde versucht, Partizipation und Offenheit auf der Demo selbst zu üben. Redner konnten und wurden “abgewählt”, wenn sie Scheisse laberten. Und diese etwas sonderliche kirchenähnliche Form der Kommunikation in der Sitzblockade: eine Person redet, die anderen verstärken das durch Wiederholung mit ihrer eigenen Stimme. Mitmachen und miteintscheiden statt bloß Demo-Konsument sein. Das ist zwar kein neues Phänomen, aber ich habe es seit längerem nicht erlebt. Und die Leute waren deswegen zu Recht beseelt von genau dieser spontandemokratischen Atmosphäre, die in krassem Widerspruch zu dem steht, was sie sonst als Politik in den Medien erleben.

Und natürlich kann man sagen, dass die Polizei die Demo für so harmlos einschätzte, dass sie die Menschen stundenlang illegal in der Bannmeile demonstrieren ließ. Doch auch das verkennt, dass eben tausende Leute diese Regelverletzung bewusst in Kauf nahmen und zivilen Ungehorsam ausübten. Dafür wurden sie später von der Polizei ruppig geräumt und mit Tritten, Schlägen, Schmerzgriffen sowie mit Pfefferspray eingedeckt. Auch das ist eine Erfahrung, die Protestneulinge und Staatsgläubige erst einmal machen müssen. Es schweißt zusammen und vertieft den Graben zwischen Mensch und dem Staat, dem er bis vor kurzem noch treu die Stange hielt.

Es gibt gewichtige Gründe, die “Occupy”-Bewegung als Chance für eine außerparlamentarische emanzipatorische Politik zu begreifen:

  • sie ist in ihren Zielen noch diffus und offen für Verbündete aus verschiedenen Strömungen
  • sie ist international und bezieht sich aufeinander
  • sie setzt nicht auf Parteien, Anführer und Organisationen
  • sie ist divers und bringt Leute aus verschieden Teilen der Gesellschaft auf die Straße
  • sie ist entschieden außerparlamentarisch
  • sie benutzt das Wort “Kapitalismus” und sieht sich im Widerstreit gegen diesen

Und noch etwas sollte uns zu bedenken geben. Politiker/innen aller Parteien haben “Verständnis” für die Protest gezeigt. Das ist immer ein gutes Zeichen, denn die Parteipolitik fürchtet sich um Verluste ihrer Wählerstimmen, sieht sich in die Enge getrieben und versucht den Protest hilflos zu umarmen. Sie versucht die Doof-Parolen vom bösen Ackermann aufzugreifen und in Pille-Palle-Maßnahmen wie eine Deckelung der Bankergehälter zu kanalisieren. Als allerletzte Bastion des Turbokapitalismus traut sich nur noch ein Joachim Gauck aus dem Bunker, während Spiegel Online titelt“Politiker erklären Banken zum Staatsfeind” und scheinheilig behauptet, die Protestierenden hätten jetzt in der Politik einen Verbündeten.

Hoffen wir, dass sich die Menschen nicht einlullen lassen. Arbeiten wir dran, dass diese Bewegung größer wird, geben ihm auch aus emanzipatorischer Perspektive eine Chance – und bringen wir unsere Argumente, Analysen, Erfahrungen und Ideen mit ein.

Alles andere wäre ein Fehler.

—-
Update: In Teilen der Linken scheint der Wunsch nach Zusammenarbeit und Verbünden auch zu bestehen. Auf der Seite der Gruppe FelS gibt es ein Diskussionspapier der Interventionistischen Linken zu lesen. Dort steht unter anderem:

Wir denken aber, dass dies einer der Augenblicke ist, die wir als Linke ergreifen sollten. Wir meinen, dass die Bereitschaft zur Teilnahme wichtiger ist als die kritischen Vorbehalte, die einem schnell einfallen, wenn man in Deutschland mal auf die unmittelbare Empörung der Menge setzt.

Die Bewegungen der letzten Monate sind trotz ihrer Plötzlichkeit nicht vom Himmel gefallen. Einiges von dem, was jetzt auf den Plätzen geschieht, kennen wir aus den Protesten des letzten Jahrzehnts – Stärken, aber auch Schwächen. Dazu gehört die prinzipielle Offenheit der Versammlungen, zu der nicht wenige Naivitäten gehören. Wir wissen, dass diese Offenheit auch von reaktionären Kräften genutzt wird, auch und gerade hier, in Deutschland und Europa. Ein Grund mehr, dabei zu sein und einzugreifen.

Foto: CC-BY-NC JamesReaFotos

Nazialarm: Idioten wollen nach Kreuzberg marschieren

Ich würde mal sagen: Kommt doch alle am morgigen Samstag, den 14.5. ab 12 Uhr zum kollektiven….

Infos:
http://www.antifa.de
http://antifa-neukoelln.de.vu/
http://twitter.com/hedintern

Der Guttenberg Copy-Drill-Song

Für die Demo gegen Guttenberg haben wir im Stil von Full Metal Jacket noch diesen kleinen Plagiator-Drill-Song vorbereitet. Zum Ausdrucken, mitsingen und grölen:

Links, zwo, copy, paste,
der Adel ist im Grab verwest.

Der Doktor, der ist jetzt im Arsch,
drum setzen wir uns gleich in Marsch.

Lug und Trug und Plagiat,
meine Politik ist hart.

Und willst du mit mir mitmarschieren,
dann musst Du einfach auch kopieren.

Der Diekmann ist mein bester Freund,
ich hab noch keinen Krieg versäumt.

Wir haben beide Gel im Haar,
und was wir schreiben, ist nicht wahr.

Kundus, Gorch Fock, Schneiderhan,
ich flieg jetzt nach Afghanistan.

19. Februar: Triumph über Dumpf in Dresden

Alle Jahre wieder kommen die braunen Kameraden nach Dresden um Geschichtsgedenken umzudeuten und ihren Opferkult zu pflegen. Nachdem die Nazis im letzten Jahr eine großartige Niederlage hinnehmen mussten (“sie konnten keinen Meter gehen”), wird es auch in diesem Jahr ein breites Bündnis geben, das sich den Nazis entgegenstellt.

Für die Freunde des Bass ist diesmal das Bündnis Nazis Wegbassen dabei, das mit mobilen Soundsystemen die Blockaden unterstützen wird. Mit im Bündnis u.a. das Label 3000 Grad und verschiedene Sektionen der Hedonistischen Internationale.

Etwas unklar ist noch, wie die Polizei vorgehen wird. Erklärtes Ziel ist die räumliche Trennung von Nazis und Gegendemonstranten durch die Elbe. Alle Gegendemonstranten sollten sich deshalb frühzeitig über den Naziaufmarschort informieren und auf die richtige Elbseite durchsickern.

Das Kalkül der Gegendemonstranten ist folgendes: wenn der Aufmarsch ein zweites Mal verhindert wird, vergeht den Nazis die Lust. Denn am Bahnhof sich die Füße platt stehen, das gefällt den Nationalistenfuzzis nicht besonders. Und bald könnte der größe Naziaufmarsch Europas so ein Ende finden.

Den Leute, die jetzt wieder (wie hier in den Kommentaren) gegen Blockaden argumentieren, weil man ja die Demonstrationsfreiheit der armen Nazis schützen muss, sei gesagt: ihr mögt rein formaljuristisch Recht haben, moralisch steht ihr auf der falschen Seite. Wer Arschlöcher schützt, die mit Hass, Gewalt und Intoleranz agieren, der macht eben auch Platz für genau das. (Dazu haben wir schon einmal was geschrieben) Ich spreche mich gegen jedes Verbot von Nazis und ihren Demos aus, aber ich finde es gut, wichtig und richtig, wenn ihnen tausende auf der Demoroute im Weg sitzen und stehen. Oder auch tanzend den Stinkefinger zeigen.

Wir sehen uns!

Mehr Infos:
http://dresden-nazifrei.com

Was ist aus der Anti-Gentrification-Szene geworden?

Nur wenige Minuten hielt ich es heute bei der Demo “Zimmer frei – Wir ziehen ein!” aus. Die Demo richtete sich gegen das kürzlich eröffnete Luxushotel nhow an der Spree, ohne Zweifel ein Bau, der die Lebensqualität der eingesessenen Anwohner nicht positiv beeinflussen wird, und mit Zimmerpreisen ab 170,-€ eine Menge Menschen anziehen wird, deren Ego das Absteigen in derartigen Etablissements zur Selbstwertsimulation verlangt.

Natürlich möchte ich das nicht. Kaum jemand der in Friedrichshain lebenden möchte hier so etwas haben. Ich würde sogar behaupten, dass selbst die Leute, die sich dort einmieten ein solches Hotel nicht in Ihrer Nachbarschaft haben wollen. Dagegen kann, darf und muss man demonstrieren. Entscheidend ist aber, wie.

Doch fangen wir vorne an: Mit der Friedrichshainer Anti-Gentrification-Bewegung symphatisiere ich seit vielen Jahren. An unzähligen Demos und Aktionen habe ich teilgenommen, auch als das ganze noch gar nicht so ein großes Thema war, ja, als wir es noch gar nicht Gentrification nannten (der Begriff setzte sich ja erst später wirklich durch, hauptsächlich vorangetrieben von Andrej Holm).

Aber wogegen haben wir da eigentlich immer demonstriert? Gegen Mieterhöhungen? Auch, aber nicht nur. Wir sahen kommen, was letztendlich kam: Die Wohnraumknappheit, die Freunde, die hier keine Wohnungen mehr fanden, die Weg-Saniererei unserer geliebten, alten Häuser – und, am schlimmsten: Die Vereinheitlichung, das Verwischen des Charakters unseres Kiez’.

Zur Sanierung der Häuser: Als Öko-Aktivistin habe ich nichts gegen moderne Wärme-Isolation, umweltfreundliche Zentralheizungen und Solar-Kollektoren auf dem Dach. Würde meine Hausverwaltung so etwas, verbunden mit einer angemessenen(!) Mieterhöhung vorschlagen, ich wäre die letzte, die sich gegen Gespräche stemmen würde. Worauf ich nach wie vor verzichten kann, sind Eichenparkett, Fahrstuhl zum Balkon, Tiefgarage für den Porsche, und die Art von tot lebenden Nachbarn, die damit einhergeht.

Die Art von Nachbarn, vor denen ich irgendwann hierher geflohen bin, durch deren Abwesenheit mein Wohlbefinden stieg.

Heute auf der Demo schallte es dann vom Lauti: “in dem Hotel gibt es Champagner-Flaschen für 560€ und Zimmer für 2.500€…” Und statt über derartig maßlose Dekadenz, über die Genitaliengröße derer, die DAS notwendig haben, und derer, die sich DAVON beeindrucken lassen, herzhaft zu spotten, gibt man das Neidhammel und ruft dazu auf, dort den Gästen das Essen vom Teller zu stibitzen. “Ihr werdet hier keine Ruhe finden!” und marschiert mit einem winzigen kleinen Block, gefolgt von ein paar Hippies durch den Kiez, vorbei an Ladenbesitzern, die aus lauter Angst die Rolläden geschlossen haben.

So ein Käse.
Als wenn es jemanden, der sich eine Champagnerflasche für das Monatssalär der Büroputzfrau kauft, sonderlich erregt, wenn ihm die jemand klaut. Im Gegenteil, da hat er noch was zu erzählen im Rotary-Club, wo er sich ‘sozial engagiert’. Kennt ihr eigentlich deren Haltung nicht, das spöttische Mitleid mit den Besitzlosen, die ihre Chance nicht ergriffen hätten? Denen, die sich nun im Sozialneid ergießen, und die Vollkaskoversicherungen belasten? “Ganz tragisch ist das… Wenn ich nur wüsste, wie ich ihnen helfen könnte.”

Nein, so kommt man denen nicht bei. So ehrt man sie nur.

Ähnlich wie die Nazi-Läden in der Rosenthaler und Petersburger Straße werden sie Gentrifizierer die Zeichen des Protests konservieren und zur Aufwertung der eigenen Marke nutzen, weil sie genau wissen, dass ihre Zielgruppe von dem Protest nur so viel versteht, dass die Einrichtung eine besondere Bedeutsamkeit haben muss.

Was nötig ist, ist Spott – Spott und Ausgrenzung. Sie nicht in Kneipen anpöbeln, sondern sie verspotten. Porsches nicht zerkratzen oder anzünden, sondern wo auch immer man sie sieht, ihre Fahrer schon von weitem auslachen. Ihnen das Essen im Hotel nicht klauen, sondern lachend mit einem Apfel in der Hand fragen, was der Hummer denn gekostet hat, und mit einem unterdrückten Lachen reagieren, wortlos weitergehen und erst in 3m Abstand anfangen zu tuscheln und zu lachen. Sich mal in Abendgarderobe schmeißen, die große Tafel reservieren, und mit 30 Mann gepflegt für ein paar Tausender speisen, die umsitzenden Yuppies wie arme Möchtegerne aussehen lassen. Und dann fröhlich lächelnd und winkend die Zeche prellen…

Nur so nimmt man ihnen nachhaltig den Spaß, nur so kann man ihnen überhaupt die Augen öffnen. Nur so kann man dem Hotel noch Mieter abluchsen, die Yuppies vom echten Leben überzeugen. Alles andere, jede Anfeindung werden sie immer auf unseren Neid schieben. Und dieser Neid sollte niemals Antrieb eines Gentrification-Kritikers sein, denn dem Neid immanent ist, dass der andere in dem, was er tut, Recht hat: Dass man das gleiche tun würde, hätte man das Geld dazu.

Und das, liebe Freunde, würde ich nicht.

Deshalb will ich dass unser Kiez so bleibt, wie er ist.

Anders.

Angst statt Freiheit: Festnahme wegen freiwilliger Abgabe von Leatherman

Ein Teilnehmer der Demo “Freiheit statt Angst” gerät in eine Vorkontrolle. Er wird gefragt, ob er spitze Gegenstände dabei habe. Er zeigt sein Leatherman-Werkzeug, ihm wird angeboten es während der Demo bei der Polizei abzugeben – dann wir der Mann festgenommen und für Stunden festgesetzt. Hier die ganze Story (Achtung Server lahmt).

Früher war alles bunter: Die Nachbesprechung zur Demo Freiheit statt Angst

Ich schließe mich mal dem Nachbetrachtungskorso an – und sage gleich vorweg: Ich sehe die Demo mit gemischten Gefühlen.

Zahlenmäßig war die Demonstration kein Misserfolg. Um die 20.000 Leute, das ist schon sehr OK. Gerade solche Traditionsdemos, die jedes Jahr stattfinden, bergen ja immer die Gefahr in der Mobilisierung irgendwann zu verhungern.

Medienmäßig wurde die Demo super beachtet, alle wichtigen Medien berichteten. Hier ist der Pressespiegel.

Prügelmäßig hat die Berliner Polizei mal wieder ordentlich zugelangt und einen friedlichen Radfahrer und eine weitere Person zusammengeschlagen. Das passiert zwar auf linken Demos ständig, wie hier bei der Tempelhof-Besetzung, wird jedoch immer nach dem Muster “Böse Randalierer greifen Polizei an, Polizei reagiert angemessen” behandelt. Dass diesmal die Polizei-Schläger medial sogar von Bild.de einen drauf bekommen, ist leider eher die Ausnahme.

Kreativmäßig hat mich die Demo ein wenig enttäuscht. Das lag an der starken Wahlkampfpräsenz von vier Parteien, die alle möglichst viele ihrer Luftballons, Fahnen und Plakate sichtbar über die ganze Demo verteilen wollten. Besonders erschreckend empfand ich dabei das Auftreten der Piratenpartei. Die haben sich ja extrem schnell der totlangweiligen Corporate-Identity-Kultur der etablierten Parteien angepasst. Eine gute und starke Demo zeichnet sich für mich durch vielfältige, kreative, ernste, lustige und selbstgemachte Schilder und Transparente aus. Da war die Demo in den letzten beiden Jahren besser aufgestellt als noch nicht jeder Pirat ein Parteishirt und eine Fahne hatte. Den Piraten sei hier gesagt: so kommen keine inhaltlichen Aussagen rüber und die ganze Sache sieht mir zu sehr nach Uniform aus. Total unsexy und wenig progressiv. Weiterlesen ‘Früher war alles bunter: Die Nachbesprechung zur Demo Freiheit statt Angst’

Web-Flyer für Freiheit statt Angst

freiheitstattangst01.jpg
Die Hedonistische Internationale hat gerade ein paar Web-Flyer zur Mobilisierung für die große Grundrechtedemo am 12. September veröffentlicht. Wenn ihr weitere schöne Motive gefunden habt: gerne in den Kommentaren verlinken.

Update: Die Pressemitteilung des AK Vorrat zur Demo ist da.

Flyer: CC-BY Hedonist International