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Interview zu Atomforum vs. Netz: “Gegen Satire vorgehen ist immer Quatsch”

Was sagt eigentlich ein PR-Fuzzi zum Verhalten des Atomforums gegen die Twitter-Satire @atomforum_ev? Wir haben mal einen gefragt, den wir selbst gut kennen und der gleichzeitig die PR-Branche und solche Kunden kennt. Lou Canova ist nicht nur ein Metronaut der ersten Stunde, sondern seit Jahren in Sachen Public Relations tätig. Mittlerweile arbeitet er als PR-Stratege in leitender Position für eine große Werbeagentur in Berlin.

Du arbeitest seit Jahren in der PR-Branche. Wie schätzt Du den Fall Atomforum vs. Social Media ein?
Grundsätzlich hat das Atomforum in Netz natürlich einen schweren Stand. Die Mobilisierung über Social Media verläuft ja großteils gegen Kernkraft (während das Lobbying beim Essen im Borcherts eher Pro-Kernkraft ausfällt). Nicht ohne Grund verhalten sich Energieunternehmen eher unauffällig in der PR – sowohl in der Pressearbeit als auch in der direkten Öffentlichkeitsarbeit. Weder RWE noch das Atomforum können hier wirklich punkten. Das jetzt gegen die Satire vorgegangen wurde, ist natürlich totaler Quatsch. Denn bekanntermaßen werden so solche Aktionen eher noch gehighlighted und durch die Reaktion quasi geadelt.

Wie hätte das Atomforum mit der Satire umgehen sollen?
Einfach aushalten. Aussitzen. Kopf einziehen. Statt Streisand-Effekt, einfach Helmut-Kohl-Style. Der Handlungsspielraum ist ja sehr begrenzt.

Ist der Aufruf zu massenhaften Satire-Accounts der Worst Case in Sachen Social Media Relations?
Worst Case ist Fukushima. Aber ein PR-Berater würde sagen, dass das jetzt “suboptimal” gelaufen ist. Aber das Themenfeld ist eh schon schwer verseucht und da macht das jetzt auch nichts mehr. Ich glaube nicht, dass die wenig humorvolle Reaktion des Atomforums die Öffentlichkeit wirklich überrascht hat. Insofern kann man nicht mal sagen, dass ein Imageschaden entstanden ist. Normalerweise ist es ja so, dass ein Thema aus dem Web auf die klassische Medienagenda springt, so dann entsprechend weit verbreitet wird und dadurch auch jenseits des Netzes bei Opa Schulze in der Tageszeitung aufpoppt. Das ist im Verhältnis schlimmer. Jetzt ist es ja fast anderes herum: Die breite Medienberichterstattung spiegelt sich im Netz und da dann auch in Satire wider. Der Schaden ist aber schon davor entstanden. Es gibt nichts, was den Super-GAU in Japan noch toppen kann. Es sei denn, das Atomforum hat Knut vergiftet..

Wie würdest Du als PR-Berater jetzt vorgehen?
In den Urlaub fahren.

Basicthinking und Onlinekosten GmbH im Schleichwerbesumpf

Sascha Pallenberg von Netbooknews.de hat rausgefunden, dass die Onlinekosten GmbH mit Basicthinking.de zusammen Keywordspam bereibt. Dabei wurde Basicthinking als Strohmann genutzt um B- und C-Blogger für eine Kooperation zu gewinnen. In dieser “Kooperation” fiel den Blogs die Aufgabe zu, bestimmte Schlagwörter in Artikeln zu verlinken. Wenn ich “Günstiger Anbieter für Reisen” zu einem Reiseportal verlinke, steigt dessen Relevanz bei genau dieser Phrase. Wie diese Art der suchmaschinenoptimierenden Schleichwerbung eingefädelt wurde, schreibt Pallenberg in seinem Blog. Etwa 100 Blogs sollen in diesem Schleichwerbungsnetzwerk beteiligt sein, für einen Link gab es zwischen 25-65 Euro. Gleichzeitig mussten die beteiligten Blogger unterschreiben, dass sie nichts sagen.

Ich finde: Wer in seinem Blog nicht gekennzeichnete Werbung macht oder den SEO-Fuzzis nach dem Mund linkt, ist ein armseliges Würstchen, dem weder seine Leser noch sein Blog etwas Wert sind. Gerade in Blogs, die ja für Glaubwürdigkeit, Subjektivität und Gegenöffentlichkeit stehen, kommt man damit nicht gerade weit. Von dem her, ist die ganze Story in der Kategorie: “Hoppla, ich schiesse mir selbst ins Knie zu verbuchen.”

Wer jetzt mit erhobenem Zeigefinger auf die Blogosphäre zeigt, sollte sich lieber die großen Fische vornehmen. Schleichwerbung, also die Vermischung von redaktionellen und werblichem Content, ist in der Medienbranche längst zur Normalität geworden. Mal abgesehen von der alltäglichen PR, die Themen, Marken und Produkte in TV, Radio, Print und Online bringt, weil diese Stories sich eben platzieren lassen. Das ist noch Grauzone, weil oftmals kein Geld fließt.

Jeder, der mal in der PR gearbeitet hat weiß, dass man sich längere Abdrucke über Produkte von Kunden, teilweise mit Gewinnspielen erkaufen muss. Andere Medien berichten nur, wenn man gleichzeitig oder in der nächsten Ausgabe Werbung schaltet. Manche Journalisten und Blogger lassen sich durch Sachpreise (“Behalten Sie das Rezensionsexemplar!”) und durch Journalistenreisen bestechen.

In der Werbe- und Medienbranche ging letztes Jahr das Gerücht um, dass sich RTL für das Dschungelcamp sechs Mal eine Titelseitenpräsenz bei der BILD gekauft habe. Insider erzählen sogar, dass die Pharmaindustrie für 30.000 Euro ihr genehme Experten in der FAZ zu Wort kommen lässt. Dafür gäbe es ganze Autorenpools, je nach Zeitung und Größe variiere der Preis. Ob die jeweiligen Medien davon wissen oder nur dreckiger Undercover-PR der übelsten Sorte aufsitzen, steht auf einem anderen Blatt.

Es gibt Zeitschriften, die leben davon, dass man sich eine Präsenz in ihr erkauft. Viele Stadtmagazine leben so. Beim Vice-Magazin gehört eine klug gemachte Vermischung von ungekennzeichneter Werbung und Artikeln zum Kerngeschäft. Von abgehalfterten Volksmusikstars will ich gar nicht reden. Aber war es nicht die Serie Marienhof, die sich Dialoge von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bezahlen ließ. Und sind es nicht Experten der gleichen Lobbyorganisation, die bei Anne Will & Co auf Dauerrotation laufen.

Medien sind ein dreckiges Geschäft und dieser Blogskandal (“Tsunami”) gehört eher zu den kleineren Auswüchsen. Klar ist: wer Werbung nicht kennzeichnet, ist unglaubwürdig. Dass Pallenberg die beteiligten Blogs nicht nennt, ist schade. Denn Leser haben ein Recht darauf, zu wissen, ob sie gekaufte Scheisse oder journalistische Erzeugnisse lesen. Wenn sie das nicht sowieso selber merken.

Update: Über Pallenberg schlagen jetzt die Wellen zusammen. Und das doppelt: einerseits rauscht eine Horde von SEO-Fritzen an, die – wie man ihrer Aufregung anmerkt – ihr Geschäftsmodell angegriffen sehen und ihn aufs Übelste anpöbeln. Das zeigt eigentlich ganz gut, dass er mit seiner kleinen Recherche ins Schwarze trifft. Auf der anderen Seite bekommt Pallenberg jetzt zu spüren, dass seine großmundigen Ankündigungen “aufsehenerregensten Geschichte der deutschen Blogosphäre dieses Jahr” vielleicht etwas zu hoch gegriffen waren. Wer die Revolution ankündigt und eine kleine Demo macht, sorgt für Enttäuschung. Bitter an der ganzen Geschichte finde ich, dass diese Form der Schleichwerbung von vielen als ganz normal hingenommen wird. Pallenberg täte gut daran, wenn er jetzt nachlegt und die beteiligten Blogs auch noch aufdeckt – denn zumindest sollte es diesen Leuten ein bisschen wehtun.

Castor-Transport: Polizei fährt die Panikmaschine an

Im Zusammenhang mit dem Castor-Transport fahren Polizei, BKA und das Innenministerium Niedersachsen die altbewährte und durchschaubare Panikmaschine an. Mit Kriminalisierung und dem Ausmalen von Gewaltszenarien sollen Menschen vom Protest abgeschreckt werden.

Der Focus zum Beispiel zitiert eine interne Lageeinschätzung des BKA, die dem Blatt “zufällig” zugespielt worden ist. In dieser phantasiert das Bundeskriminalamt von einer “zunehmenden Gewaltbereitschaft” der Castor-Gegner. “Noch nie war die Angst so groß, dass die Proteste gegen den Castor-Transport aus dem Ruder laufen können” schreibt der Focus alarmistisch – und erfüllt so die Erwartungen derer, die die Proteste klein halten wollen.

Das könnte schwierig werden, denn im ganzen Land blüht die Anti-Atombewegung wieder auf. Die Organisatoren im Wendland rechnen mit mindestens 30.000 Menschen, die auf der Großdemo am 6. November teilnehmen werden. Es wäre die größte Demo bei einem Castor-Transport, die jemals stattgefunden hat. Die Anti-Atombewegung kann sich dabei auf eine mehrheitliche Ablehnung der Atomkraft in der Bevölkerung stützen. Und viele sind sauer, dass die Merkel-Regierung die Laufzeiten der Meiler verlängert und Geheimverträge mit der Atomlobby geschlossen hat.

Unterdessen fährt die Staatsanwaltschaft Lüneburg dicke Geschütze auf. Sie ermittelt gegen über 500 Einzelpersonen und Gruppen, die im Rahmen der Aktion “Castor schottern” die Absicht erklärt haben, das Gleisbett als Akt des zivilen Ungehorsams zu unterhöhlen. Dabei betonen die Aktivisten, dass sie keine Krawalle wollen: “Ziel unserer Aktion ist, die Schiene unbrauchbar zu machen und nicht, die Polizei anzugreifen.”

Das sieht Jochen Stay von ausgestrahlt genauso:
“Selbst die angekündigte Entnahme von Schottersteinen aus einer Bahnlinie, die für den regulären Zugverkehr gesperrt ist, ist zwar nicht legal, aber hat nichts mit Krawall oder Gewalt zu tun“.

Die Repressionswelle scheint die Anzahl der Unterstützer von “Castor Schottern” nicht zu mindern: seit die Ermittlungsverfahren laufen, haben sich mehr als 100 weitere Einzelpersonen und Gruppen zu dieser Aktionsform bereit erklärt. Das Unterhöhlen von Straßen und Schienen ist nichts neues: immer wieder wurden in den letzten Jahren solche Versuche unternommen. Neu ist, dass die Gegner ihre Absicht vorher öffentlich kundtun und so die Legitimität ihrer Aktion untermauern.

Insgesamt ist mit einem „bunten, vielfältigen und gewaltfreien Protest“ zu rechnen, so Stay weiter. Das Spektrum reicht von den klassischen Sitzblockaden bis hin zu neueren Aktionsformen, die das Aktionsbündnis “Atomkraft wegbassen” angekündigt hat. Die Initiative aus Club- und Partykollektiven, Kulturinitiativen und der Hedonistischen Internationale will der Regierung “den Bass des Widerstands laut und dreckig um die Ohren wummern lassen”. Bislang haben etwa 20 Gruppen aus ganz Deutschland den Aufruf unterschrieben.

Weitere Artikel und Radiobeiträge zu verdeckter PR und Astroturfing bei Stuttgart 21

Über Astroturfing und verdeckte PR bei Stuttgart 21 sind weitere Artikel und Radiobeiträge erschienen. So gibt es einen Podcast des RBB Medienmagazins zum Thema und das Branchenmagazin PR Report befasst sich mit den unlauteren PR-Methoden.

Stuttgart 21: Bayerischer Rundfunk zu Astroturfing und zynischen PR-Twitteraccounts

Der Radiosender ON3 des Bayerischen Rundfunks hat mich heute interviewt zu Astroturfing, gekauften Befürwortern und den Aktivitäten von PR-Agenturen bei Stuttgart 21. Das Interview könnt ihr hier als Stream anhören oder downloaden. Das Thema Astroturfing beginnt etwa bei Minute 16:50. Die Sendung befasst sich außerdem mit den unterirdischen Häme-Troll & Aggro-Twitterern und interviewt in diesem Zusammenhang auch die PR-Agentur “PR-Spezialisten” dazu, die mit ihren Tweets gerade besonders unangenehm auffallen.

Es gibt außerdem einen zusammenfassenden Artikel “Astroturfing für Stuttgart 21: Sind die Befürworter des Bahnhofs gekauft?” auf on3.de.

Stuttgart 21: Mit PR-Agenturen gegen Demonstranten


In Stuttgart zeigt sich gerade eine neue Qualität von politischen Social Media Kampagnen. Doch nicht nur die Gegner des Milliardenprojektes sind aktiv, sondern seit ein paar Wochen auch vermeintliche Befürworter. Schon eine einfache Recherche beweist, dass hier PR-Agenturen am Werk sind. Ein Überblick.

Es gibt altbekannte Mittel wie Regierungen gegen Proteste vorgehen: Umarmung und Vereinnahmung sind eines. Lade die Protagonisten zu Gesprächen ein, mache wirkungsvoll schöne Bilder, suggerierte Dialog ohne wirkliche Zugeständnisse. Im besten Fall wendet sich dann ein Teil der Protestierenden ab, im Glauben, dass der Protest etwas bewirkt habe und man ja wahrgenommen werde.

Die zweite Methode ist die Kriminalisierung von Teilen der Protestbewegung. Die gute alte Strategie geht so: Rede über angebliche Gewalttäter unter den Demonstranten, fordere Bündnisse auf sich von bestimmten Gruppen zu distanzieren, betone, dass die Demonstranten undemokratisch seien und dass Politik doch im Parlament stattfinde (Merkel).

Beide Varianten hat die Baden-Württembergische Landesregierung schon ausgespielt. Seit einigen Wochen setzt sie deshalb auf eine neue Karte: dem massiven Einsatz von Social Media, Event- und PR-Agenturen gegen die Demonstranten und ihre Mobilisierung im Netz und auf der Straße. Angekündigt wurde von Ministerpräsident Mappus am 10. September, man werde “auf den verschiedensten Kanälen mehr denn je offensiv informieren.“ Die Industrie- und Handelskammer Stuttgart kündigte im selben Artikel an, wieder die Meinungsführerschaft übernehmen zu wollen.

Von der PR-und Werbeagentur Scholz & Friends (die arbeiten übrigens auch für die NATO) wurde schon am 1. April 2009 die Webseite www.das-neue-herz-europas.de gestartet. Auf der Startseite prangt direkt das Wort “Dialog” entgegen. Bürgernähe soll suggeriert werden. Am 21. September diesen Jahres wurde noch die “Dialogplattform” direktzustuttgart21.de geschaltet. Hinter diesem Projekt steckt die direktzu GmbH, die nach eigenen Angaben eine “effiziente Many-to-One-Kommunikation” anbietet. Vermutlich arbeitet die direktzu GmbH als Dienstleister für Scholz & Friends.

Einen Schritt weiter geht das von der PR-Agentur Sitibi verantwortete Projekt “Laufen für Stuttgart”. Hier wurde auf der das Blog laufenfuerstuttgart.wordpress.com initiiert. Dass dabei ein Freehoster genommen wird, ist Teil der Strategie: signalisiert das doch gerade das Amateurhafte. Soll meinen: hier mobilisieren Bürger für Stuttgart 21.

Das ist natürlich Quatsch, denn Sitibi versteht sich als Agentur für Begegnungsmarketing und verschafft nach eigenen Angaben “Unternehmen und Institutionen den direkten und unmittelbaren Kontakt zu Menschen in einem positiv besetzten Kontext.” Eine PR-Agentur organisiert Demonstrationen für das Milliardenprojekt. Hier werden Events inszeniert und Menschen zu ahnungslosen Claqueuren instrumentalisiert. Das ist übrigens alles andere als demokratisch legitim. Sitibi selbst hat schon früher für die Deutsche Bahn gearbeitet. Und bei denen kennt man sich ja mit Undercover-PR der schmutzigen Sorte aus. (Update: Auszug Kundenliste von Sitibi: – Deutsche Bahn AG, Flughafen Stuttgart GmbH, IN.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft, Daimler AG, Medienteam der Stadt Stuttgart, Stadt Stuttgart, Verband Region Stuttgart, Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau)

Unter wirsindstuttgart21.de hat Sitibi übrigens eine weitere Webseite eines gefakten “Bündnisses der Befürworter” gestartet. Im Impressum taucht die PR-Agentur nicht mehr auf, bei der Denic-Abfrage ergibt sich wieder sitibi KOMMUNIKATION GmbH, Rosenaustr. 5 in Stuttgart als Anmelder der Domain.
Eine weitere aus dem Boden gestampfte Webseite ist www.fuerstuttgart21.de. Hinter dieser Seite steht laut Denic die Agentur für neue Medien “zweibirnen“. Unklar ist, wer diese Seite finanziert.

prosit21.de dagegen ist von Florian B. angemeldet, der für die Straßenbahn AG Stuttgart arbeitet und schon länger als Befürworter von Stuttgart 21 öffentlich auftritt. Die Seite gibt es seit dem 6. August 2010. Am 12. August startet der FDP-Möchtegern-Bundestagsabgeordnete Michael Conz die Seite http://www.stuttgart21-kommt.de/.

Ein weiteres WordPress-Blog ist “I Love Stuttgart 21″, das auf http://stuttgart21.wordpress.com betrieben wird. Ein Impressum gibt es nicht, unklar bleibt wer hier dahinter steckt.

Eine (mittlerweile nicht mehr existente) Seite www.prostuttgart21.de – angemeldet auf einen Hans-Peter O. – wurde direkt auf den Server der Stadt Stuttgart gehostet. Die Darlegung dazu in einem Kommentar hier.

Eine weitere Agentur in Diensten von Stuttgart 21 ist “Die Crew”.

Auch auf Facebook sind die Lobbyisten für Stuttgart 21 aktiv: www.facebook.com/fuer.s21 Auffällig sind übrigens verschiedene Vielkommentierer, die den Eindruck machen, falsche Identitäten zu sein. (Screenshots vorhanden). Eine weitere Seite zweifelhafter Herkunft ist: http://www.facebook.com/SchlussMitDemosGegenStuttgart21. Wer hinter diesen Facebookseiten steckt, lässt sich eventuell mit intensiverer Recherche rausfinden. Das schnelle Wachstum (im PR-Deutsch “Seeding” genannt) lässt auf eine professionelle Umsetzung schließen.

Und natürlich auch Twitter. Hier wurde innerhalb kürzester Zeit richtig ordentlich Hand angelegt. Eine ganze Armada von Accounts twittert im Sinne von Stuttgart 21:

@s21beck, @ProS21Stream, @wirgehnrunter, @proSiT21, @ProS21, @kritter1010, @stuttgartfreund

Zu den Twitteraccounts konnte ich aus Zeitgründen noch nicht mehr recherchieren, vielleicht wissen ja ein paar Leute auch noch mehr dazu.

Zur “gekauften Bewegung” der S21-Befürworter hat Andreas Bühler schon etwas geschrieben. Die verwendete PR-Methode wird im englischen Sprachraum als Astroturfing bezeichnet, bei uns eher als Guerilla-Marketing und Undercover-PR.

Wer mehr über die Verstrickungen von Werbe- und PR-Agenturen in die Social Media Kampagne der vermeintlichen S21-Befürworter weiß, kann uns gerne schreiben oder direkt hier kommentieren.

Update:
Danke, dass hier so viele mitrecherchieren. Eine Bitte: beachtet die Persönlichkeitsrechte von Privatpersonen: also keine Twitteraccounts posten, die Rückschlüsse auf Privatpersonen zulassen. Und auch keine vollen Namen von Privatpersonen. Wenn ihr Euch unsicher seid, könnt ihr gerne mit mir in Kontakt treten über schreiben(ett)metronaut.de.

Montage: CC-BY Metronaut

Analyse des geleakten CIA-Papiers zur PR-Strategie in Afghanistan

237px-wikileaks_logo-svg-thumb-237x547-1.pngGestern hat Wikileaks ein geheimes Memorandum der CIA veröffentlicht, das Einschätzungen zur öffentlichen Meinung in Deutschland und Frankreich gibt und möglichen PR-Strategien empfiehlt, die den Afghanistan-Einsatz unterstützen. Das Dokument stammt vom 11. März und ist hier als PDF erhältlich.

Ausführlicher haben sich bislang Gulli und Fefe mit dem Papier beschäftigt. Nach dem Rückzugsbeschluss der Niederlande, sucht die CIA nach möglichen Strategien in der Informationspolitik mit der Deutschland und Frankreich besser an den Afghanistan-Krieg gebunden werden sollen. Das Dokument richtet sich ausdrücklich nur an US-amerikanische Leser: es ist als “Classified / No Foreign Nationals” gekennzeichnet.

Zur Ausarbeitung wurden PR-Strategen herangezogen:

The Red Cell invited a CIA expert on strategic communication and analysts following public opinion at the State Department’s Bureau of Intelligence and Research (INR) to consider information approaches that might better link the Afghan mission to the priorities of French, German, and other Western European publics.

Das Dokument weist darauf hin, dass das mangelnde öffentliche Interesse (“Public Apathy”) es den Regierungen Merkel und Sarkozy erlaube, die Wähler trotz hoher Ablehnung des Afghanistan-Krieges zu ignorieren. Es wird darauf hingewiesen, dass Todesfälle auf französischer, deutscher und ziviler afghanischer Seite schnell einen Umschwung der Meinung bewirken könnten:

If some forecasts of a bloody summer in Afghanistan come to pass, passive French and German dislike of their troop presence could turn into active and politically potent hostility. The tone of previous debate suggests that a spike in French or German casualties or in Afghan civilian casualties could become a tipping point in converting passive opposition into active calls for immediate withdrawal.

Dabei schätzt die CIA die Verpflichtungen der beiden Länder gegenüber der NATO zwar als Schutz gegenüber einem schnellen Rückzug an. Besonders in Wahlkämpfen seien die Regierungen Deutschlands und Frankreichs nicht bereit, den politischen Preis einer Truppenaufstockung zu bezahlen.

Interessant ist folgende Einschätzung:

French and German leaders have over the past two years taken steps to preempt an upsurge of opposition but their vulnerability may be higher now…

Welche präventiven Maßnahmen könnten hier genau gemeint sein? Klar ist, warum die Verwundbarkeit (vulnerability) in Deutschland gestiegen ist: der Kunduz-Luftschlag bei dem dutzende Zivilisten starben und der die Regierung und Minister unter Druck gesetzt hat. Darüber hinaus würden die NRW-Landtagswahlen eine Truppenaufstockung schwieriger machen.

Durchaus interessant ist, dass nach Meinung der CIA Franzosen auf Flüchtlinge und Zivilisten fixiert seien, während die Deutschen mit den Kosten und der Grundlage (“Was machen wir da überhaupt?”) argumentieren würden.

Folglich sind die PR-Empfehlungen etwas unterschiedlich. Im Fall der Franzosen empfiehlt das Papier:

  • Highlighting Afghans’ broad support for ISAF could underscore the mission’s positive impact on civilians. About two-thirds of Afghans support the presence of ISAF forces in Afghanistan, according to a reliable ABC/BBC/ADR poll conducted in December 2009. According to INR polling in fall 2009, those French and German respondents who believed that the Afghan people oppose ISAF—48 percent and 52 percent, respectively—were more likely than others to oppose participation in the mission.
  • Conversely, messaging that dramatizes the potential adverse consequences of an ISAF defeat for Afghan civilians could leverage French (and other European) guilt for abandoning them. The prospect of the Taliban rolling back hard-won progress on girls’ education could provoke French indignation, become a rallying point for France’s largely secular public, and give voters a reason to support a good and necessary cause despite casualties.
  • Dieses Argumentationsmuster kennen wir allerdings auch von CDU, SPD, FDP und Grünen: Dass die Afghanen mehrheitlich den Einsatz der ISAF-Truppen unterstützen würden, hat man hier auch schon gehört. Auf der anderen Seite wird die deutsche Politik nicht müde zu betonen, dass ein Abzug die Taliban stärken und letztlich den Menschen in Afghanistan mehr schaden würde. So sagte zum Beispiel die Grünen-Politikerin Anna Lührmann in der Süddeutschen: “Man kann sich aber auch schuldig machen, wenn man dagegen stimmt. Wer sich enthält, muss auch verantworten können, was dann geschähe, wenn deutsche Soldaten nicht länger die Sicherheit im Norden Afghanistans gewährleisten.” Niels Annen von der SPD vertritt praktisch beide PR-Empfehlungen in diesem Text. Diese Art der PR ist schon länger bei uns angekommen, insofern halte ich die Empfehlungen der CIA für Frankreich eher für trivial.

    Für Deutschland empfiehlt das Papier folgendes:

    Germans Worried About Price And Principle Of ISAF Mission. German opponents of ISAF worry that a war in Afghanistan is a waste of resources, not a German problem, and objectionable in principle, judging from an INR poll in the fall of 2009. Some German opposition to ISAF might be muted by proof of progress on the ground, warnings about the potential consequences for Germany of a defeat, and reassurances that Germany is a valued partner in a necessary NATO-led mission.

  • Underscoring the contradiction between German pessimism about ISAF and Afghan optimism about the mission’s progress could challenge skeptics’ assertions that the mission is a waste of resources. The same ABC/BBC/ADR (sic!) poll revealed that 70 percent of Afghans thought their country was heading in the right direction and would improve in 2010, while a 2009 GMF poll showed that about the same proportion of German respondents were pessimistic about ever stabilizing Afghanistan.
  • Messages that dramatize the consequences of a NATO defeat for specific German interests could counter the widely held perception that Afghanistan is not Germany’s problem. For example, messages that illustrate how a defeat in Afghanistan could heighten Germany’s exposure to terrorism, opium, and refugees might help to make the war more salient to skeptics.
  • Emphasis on the mission’s multilateral and humanitarian aspects could help ease Germans’ concerns about waging any kind of war while appealing to their desire to support multilateral efforts. Despite their allergy to armed conflict, Germans were willing to break precedent and use force in the Balkans in the 1990s to show commitment to their NATO allies. German respondents cited helping their allies as one of the most compelling reasons for supporting ISAF, according to an INR poll in the fall of 2009.
  • Hier wird auch auf die BBC/ARD-Umfrage hingewiesen, die beweisen soll, dass die Afghanen mehrheitlich den Einsatz der ISAF positiv sehen. An dieser Umfrage gibt es Kritik aus der Friedensbewegung und wer jemals in einer PR-Agentur gearbeitet hat, weiß wie einfach Umfragen manipulierbar sind. Hier kann durch unterschiedliches Stellen von Fragen und Suggestion viel getan werden, um gewünschte Ergebnisse zu bekommen. Ich will das ARD und BBC nicht vorwerfen, denn ich habe das Design der Umfrage nie gesehen.

    Die zweite Empfehlung “Verliert die NATO in Afghhanistan, sind die Deutschen mehr dem Terrorismus, dem Opium und Flüchtlingsströmen ausgeliefert” ist mir in der Berichterstattung und in Politikermeinungen zu Afghanistan bislang recht wenig über den Weg gelaufen. (Wer hier etwas anderes findet, bitte melden.)

    Die dritte Empfehlung wird in Deutschland ja schon umgesetzt: Betonung der humanitären Schwerpunkte und multilaterialer Verpflichtungen. Diese beiden Komponenten finden sich seit Beginn in allen kriegsbefürwortenden Aussagen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Debatte und wird insbesondere bei Verlängerung des Mandats und der Aufstockung von Truppen (“Bündnisverpflichtung”) immer wieder hervorgeholt.

    Schön geht es weiter im Dokument, die USA sollten die Obama-Karte spielen, weil die Menschen ihm in Frankreich und Deutschland vertrauen:

    Appeals by President Obama and Afghan Women Might Gain Traction
    The confidence of the French and German publics in President Obama’s ability to handle foreign affairs in general and Afghanistan in particular suggest that they would be receptive to his direct affirmation of their importance to the ISAF mission—and sensitive to direct expressions of disappointment in allies who do not help.

    Zu guter Letzt empfiehlt das CIA-Papier eine weitere altbekannte Strategie:

    Afghan women could serve as ideal messengers in humanizing the ISAF role in combating the Taliban because of women’s ability to speak personally and credibly about their experiences under the Taliban, their aspirations for the future, and their fears of a Taliban victory. Outreach initiatives that create media opportunities for Afghan women to share their stories with French, German, and other European women could help to overcome pervasive skepticism among women in Western Europe toward the ISAF mission.

  • According to INR polling in the fall of 2009, French women are 8 percentage points less likely to support the mission than are men, and German women are 22 percentage points less likely to support the war than are men.
  • Media events that feature testimonials by Afghan women would probably be most effective if broadcast on programs that have large and disproportionately female audiences.
  • Afghanische Frauen sind für die CIA “ideale Botschafter um die ISAF zu humanisieren”. Sie sollen zeigen, dass ein Rückzug/ Niederlage der NATO die Frauen am Härtesten trifft. Um afghanische Frauen medial zu platzieren, empfiehlt die CIA die “Kreation von Medienevents”, bei denen afghanische Frauen deutschen und französischen ihre Geschichte erzählen können. Ziel solcher Aktionen ist es, die große Ablehnung des Krieges in der weiblichen Bevölkerung der westlichen Staaten zu brechen. Auch dies ist nichts neues. Von Anfang an wurde der Afghanistan-Krieg massiv mit Frauenrechten begründet, neu ist vielleicht der Ansatz dies medial zu forcieren.

    Insgesamt finde ich die Lageeinschätzung und PR-Empfehlungen der CIA wenig überraschend, gehören sie doch schon zum täglichen Arsenal der Befürworter eines Afghanistan-Einsatzes. Interessant bleibt die Beobachtung der PR- und Medienaktivitäten in dieser Hinsicht. Das Dokument schult den Blick auf die Art und Weise, wie Kriege verkauft werden.

    Warum Corporate PR keine aggressiven NGO-Kampagnen versteht

    Ich finde es ja schön, wenn ein PR-Mann mit den Worten populistisch, propagandistisch und polemisch herumhantiert. Suggeriert es doch, dass diese Dinge in der PR keinen Platz hätten. In der Auseinandersetzung Greenpeace vs. Nestlé hat sich jetzt Mirko Lange von der Agentur Talkabout mit zwei Artikeln in die Debatte eingeschaltet. Und der sagt:

    Ich fange an mir Sorgen darüber zu machen, ob die ehemals Ohn-Mächtigen anfangen, Macht zu missbrauchen.

    Mal abgesehen davon, dass PRler meistens nur bloggen um zu zeigen, wie toll sie Social Media und Krisen-PR können, finde ich diese Aussage doch einigermaßen unangebracht. Wir reden hier von Nestlé, dem größten Lebensmittelkonzern der Welt mit 109,9 Milliarden Schweizer Franken Umsatz im Jahr 2008. Ein Konzern, der Spitzel in Attac hereinschleuste, Genfood anbieten will und mit dem Mugabe-Regime eng zusammenarbeitete.

    Doch PR-Lange sagt:

    … ich fange auch langsam an, mich auf die Seite des schwächeren zu stellen. Und im Social Web scheinen mir die Unternehmen die schwächeren zu sein. Sie haben vermeintlich kaum eine Chance, gegen solche Form von Propaganda vorzugehen.

    Was Herr Lange so gar nicht versteht, ist die Dramaturgie und Choreografie von aggressiven NGO-Kampagnen. PRler lernen so etwas nicht, weil sie immer mit der angezogenen Handbremse die weichgespülten Kernbotschaften ihrer Kunden durchkauen müssen. Aber zumindest sollten sie auf solche Kampagnen vorbereitet sein.

    Diese Kampagnen sind nicht fair. Sie müssen es auch nicht sein. Denn sie handeln sie nach dem Motto: “Bestrafe einen, erziehe hundert”. Und darum geht es Greenpeace. Da bietet sich Nestlé als Großkonzern, als Inbegriff des Bösen für jeden Öko oder Lohas, als Konzern, den man jeden Scheiss zutraut, das ideale Ziel für eine Kampagne, mit der man auf die Palmöl-Urwald-Problematik hinweisen will. Hier soll ja ein Exempel statuiert werden, genauso wie Nike damals die ganze Sweatshop-Nummer abbekommen hatte, obwohl Adidas, Reebok & Co. unter genauso miserablen Bedingungen ihre Schuhe produzierten.

    Da wundert sich der PR-Mann dann:

    … ich kann keinerlei Belege für die Behauptungen von Greenpeace finden, Nestlé vernichte Orang-Utans und Regenwald. Nur viele Behauptungen, schlimme Bilder, Nebelkerzen, Unterstellungen und Kommunikationstricks, die einen Zusammenhang suggerieren.

    Da hilft dann auch nicht die wohl beliebteste Nebelkerze der PR-Branche – die gute alte Meinungsumfrage. Denn den Zusammenhang von Nestlés Schokoriegeln und Orang-Utans gibt es in der Logik der Greenpeace-Kampagne schon, auch wenn Greenpeace das nur recht dünn belegt. Wenn Nestlé 0,7 Prozent der Weltproduktion an Palmöl in Schokoriegel und ähnliches verbaut, dann hat Nestlé doch einen erheblichen Einfluss auf die Art und Weise der Produktion dieses Grundstoffes. Und zudem wird die Kitkat-Killer-Story die Branche gehörig aufschreckt haben. Denn mit blutenden Orang-Utan-Fingern will niemand in Verbindung gebracht werden.

    Der PR-Mann dann weiter:

    Es scheint mir immer wahrscheinlicher, dass Greenpeace ganz systematisch etwas konstruiert, um ihrer Kampagne Nachdruck zu verleihen. Das ist ja auch aufgegangen. Indem man Nestlé als „unfreiwilliges Zugpferd“ der Kampagne auserkoren hat, hat das Ding wirklich mehr Pep und Dramatik.

    Der dreckige, aber unbekannte Palmöl-Produzent Sinar Mas eignet sich eben als Zugpferd nicht. Denn wir essen nun einmal Kitkat und haben mit Palmöl in seiner Rohform eben recht wenig zu tun. Und deswegen irrt lange auch mit folgender Aussage:

    Der richtige Adressat der Kampagne wäre nicht Nestlé, sondern der Verbraucher. Denn der verlangt und kauft Schokolade.

    Das ist Quatsch: Wir als Verbraucher ahnen ja gar nicht, was sich in einem leckeren Schokoriegel so verbirgt – bis uns Greenpeace oder irgendeine andere NGO mit einer Kampagne darauf aufmerksam macht. Die Attacke gegen Nestlé kann also nur ein erster Schritt sein, um auf die skandalösen Bedingungen der Palmöl-Produktion hinzuweisen. Letzere wird noch zunehmen, da Palmöl uns in Zukunft als Biosprit verkauft werden soll. Und der kommt dann nicht aus Indonesien von Nestlé, sondern von ENI aus den letzten unberührten Regenwäldern des Kongo (Studie als PDF).

    Für den PR-Mann ist nach der Kampagne

    … der Imageschaden bei Greenpeace [...] deutlich größer als der bei Nestlé.

    Bei mir nicht, aber ich muss ja auch keine neuen Kunden für meine Agentur gewinnen.

    Update:
    Greenpeace hat auch auf Mirko Langes Post reagiert.

    Der Autor isst gerne Schokoriegel und hat PR für Firmenkunden & NGOs gemacht.

    Zugepamperte Blogger und die aufrechte PR

    Ich habe mich ja heute morgen totgelacht als ich diesen Artikel der Wirtschaftswoche ins Mailfach bekommen habe. Die deutsche PR-Branche will ab 2010 Schleichwerbung in Blogs anprangern, schreibt Thomas Stölzel, denn:

    Nicht selten erhalten Autoren von Internet-Tagebüchern kostenlos Produkte, die sie dann in ihren Blogs bejubeln. Oder Firmen schicken Bloggern neue Artikel zum Testen und mit dem dezenten Hinweis, dass sie die Ware behalten dürfen – in der Hoffnung auf ein wohlmeinendes Urteil.

    Wer auch nur ansatzweise mal in einer PR-Agentur gearbeitet hat, weiß, dass dies die gängige Praxis ist, um Journalisten und natürlich auch Blogger zur Berichterstattung zu ermuntern. Wie Thomas Knüwer treffend beschreibt, sind die Blogger aber bisher weitaus schwieriger anzusprechen für die PR, weil die eben bloggen worauf sie Lust haben und nicht wie die Journalisten jeden Tag ihre Seiten füllen müssen. Auch sind Blogger, und da gibt es natürlich Ausnahmen, viel schwieriger für die PR-Branche zu erreichen. Es reicht eben nicht mal eine Pressemitteilung rauszuholzen, sondern erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, Kenntnis von Blogs und den kulturellen Umgangsformen. Vielen PR-Agenturen schmerzt, dass der Kontakt zu einem Blogger gut fünf Mal soviel Zeit verschlingt wie einem Journalisten-Buddy die nächste PR-Story anzudrehen.

    Ich möchte jetzt gar nicht schreiben von Reise- und Autojournalisten die in der schnieken Limousine in die Toskana eingeladen werden um dort für ein langes Wochenende mit Köstlichkeiten umschmeichelt zu werden. Die Erzählung einer Bekannten, die in dieser Branche des Journalismus arbeitet, sprechen Bände – und beschreiben in der extremen Form auch nur einen Teil der journalistischen Realität.

    Komisch nur, dass nach Ansicht der Gesellschaft Public Relations Agenturen diese Form der journalistischen Bestechlichkeit ausgerechnet nur in Blogs vorkommen soll. Wenn deren Präsident Alexander Güttler auch nur annähernd einen Arsch in der Hose hätte, müsste er wohl seinen kompletten Berufstand und die klassischen Medien mit an den Pranger stellen. Doch das soll der angekündigte Verhaltenskodex offensichtlich nicht – denn irgendwie ist die vollmundige Ankündigung auch nur eine laue PR-Nummer, mit der sich dieser Verband wichtig machen will.

    Ich nehme alles zurück: auch die Polizei kann mal lustig sein

    Die Polizei ist ja für Pressemeldungen der nüchternen Art bekannt. Normalerweise häuft sich dort typisches Beamtendeutsch mit Substantivierungen und knochentrockenen Formulierungen. Und jetzt kommt die Polizei Dortmund mit Witz daher. Dort istdieses Glanzstück einer Polizeipressemeldung gelungen. (via fefe)