Die Bundesregierung hat am Morgen eine Aufklärungskampagne wegen des Staatstrojaners angekündigt: “Wir wollen zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin dem Rechtsstaat vertrauen können” so Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Motive sollen ab nächster Woche an mehr als 100.000 Aufstellungsplätzen als Großflächenplakate bundesweit zu sehen sein.
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Schöne Idee bei der taz: in den nächsten 14 Tagen wird alle Werbung auf Fotos im Sportteil einfach verpixelt. Die taz will damit auf die Allgegenwart von Werbung und Marken hinweisen. Bei Springer hingegen überlegt man schon, ob man für diese kostenlose “Zweitverwertung” der Werbung jetzt ein Werbeleistungsschutzrecht einfordern soll….
Wer hätte das gedacht: Google will Werbekunden künftig detaillierte Informationen über Nutzer und ihre Interessen verkaufen. Na, sowas aber auch. Google+ ist doch kein Altruismus…
Die großen Werbemaschinen Google, Facebook und Yahoo stehen gar nicht auf “Do Not Track”. Idee hinter “Do Not Track” ist, dass es eine Opt-Out-Option gibt, mit der ich mich vor üblen Datensammlern, die individuelle Werbeprofile erstellen, schützen kann. Wer sein ganzes Geschäftsmodell eben auf Datenhunger aufbaut, dem schmeckts halt nicht, wenn die User ungenießbar werden. Ich würde ja jedem empfehlen solche Tools zu nutzen, denn nicht erst seit Sony sieht man ja, wie SICHER undsere Daten bei Konzernen sind. (via)
Leider findet gerade kaum eine/r der Metronauten Zeit zum Bloggen, wir sind alle in andere Projekte eingespannt. Deshalb nur ein paar Links, die mir gerade wichtig erscheinen.
Eine wirklich gute Recherche zur Käuflichkeit von Tageszeitungen, hat die taz im Rechercheblog vorgelegt. Der Journalist Sebastian Heiser hat sich unter falscher Identität auf den Weg gemacht und bei Zeitungen wie Frankfurter Rundschau und ZEIT geschaut, wie sich Werbung und Berichterstattung ergänzen lassen. Das ist eine übliche Praxis bei vielen Printhäusern, dass ich eine Werbung schalte und irgendwann erscheint dann ein nicht als Werbung gekennzeichnetre Artikel zu meinem Thema. Ergebnis der Recherche: bei Frankfurter Rundschau, GEO Saison und ZEIT sind solche Deals möglich. In meinen Augen eine Riesenschweinerei, wenn Werbung und redaktioneller Inhalt zusammengehen.
Der Foebud hat wieder die Big Brother Awards verliehen. Preisträger u.a. Facebook für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihren Netzwerken, Daimler für lückenlose Bluttests an ihren Arbeitnehmern, an Apple wegen undurchsichtiger und knebelnder Datenschutzbedingungen. Alle Preisträger findet ihr auf den Seiten des Big Brother Awards.
Außerdem tobt die Post-Privacy-Diskussion. Ich bleibe dabei: die Vertreter dieser Bewegung formulieren eine angebrachte Kritik am bisherigen Datenschutz falsch. Sie verkennen, dass sie mit ihrem Diskurs den staatlichen Hardlinern und Sicherheitsfreaks in die Hände spielen, sie fallen mit ihrem Diskurs all jenen in den Rücken, die ich seit Jahren für Freiheitsrechte, Privatsphäre und Datenschutz einsetzen. Das ist kontraproduktiv und kostet uns unnötig noch mehr Freiheit als wir eh schon die ganze Zeit verlieren. Aber für ein paar schnelle SPIEGEL-Headlines ist man ja zu vielem bereit.
Da hat wohl der Layouter geschlafen. Diese deplatzierte Werbung war heute in der Schweizer Zeitung “Der Sonntag” zu sehen. Legendär bleibt diese im Jahr 2006 vollkommen auf die falsche Seite gesetzte E.on-Werbung.
(via Steffen)
Sascha Pallenberg von Netbooknews.de hat rausgefunden, dass die Onlinekosten GmbH mit Basicthinking.de zusammen Keywordspam bereibt. Dabei wurde Basicthinking als Strohmann genutzt um B- und C-Blogger für eine Kooperation zu gewinnen. In dieser “Kooperation” fiel den Blogs die Aufgabe zu, bestimmte Schlagwörter in Artikeln zu verlinken. Wenn ich “Günstiger Anbieter für Reisen” zu einem Reiseportal verlinke, steigt dessen Relevanz bei genau dieser Phrase. Wie diese Art der suchmaschinenoptimierenden Schleichwerbung eingefädelt wurde, schreibt Pallenberg in seinem Blog. Etwa 100 Blogs sollen in diesem Schleichwerbungsnetzwerk beteiligt sein, für einen Link gab es zwischen 25-65 Euro. Gleichzeitig mussten die beteiligten Blogger unterschreiben, dass sie nichts sagen.
Ich finde: Wer in seinem Blog nicht gekennzeichnete Werbung macht oder den SEO-Fuzzis nach dem Mund linkt, ist ein armseliges Würstchen, dem weder seine Leser noch sein Blog etwas Wert sind. Gerade in Blogs, die ja für Glaubwürdigkeit, Subjektivität und Gegenöffentlichkeit stehen, kommt man damit nicht gerade weit. Von dem her, ist die ganze Story in der Kategorie: “Hoppla, ich schiesse mir selbst ins Knie zu verbuchen.”
Wer jetzt mit erhobenem Zeigefinger auf die Blogosphäre zeigt, sollte sich lieber die großen Fische vornehmen. Schleichwerbung, also die Vermischung von redaktionellen und werblichem Content, ist in der Medienbranche längst zur Normalität geworden. Mal abgesehen von der alltäglichen PR, die Themen, Marken und Produkte in TV, Radio, Print und Online bringt, weil diese Stories sich eben platzieren lassen. Das ist noch Grauzone, weil oftmals kein Geld fließt.
Jeder, der mal in der PR gearbeitet hat weiß, dass man sich längere Abdrucke über Produkte von Kunden, teilweise mit Gewinnspielen erkaufen muss. Andere Medien berichten nur, wenn man gleichzeitig oder in der nächsten Ausgabe Werbung schaltet. Manche Journalisten und Blogger lassen sich durch Sachpreise (“Behalten Sie das Rezensionsexemplar!”) und durch Journalistenreisen bestechen.
In der Werbe- und Medienbranche ging letztes Jahr das Gerücht um, dass sich RTL für das Dschungelcamp sechs Mal eine Titelseitenpräsenz bei der BILD gekauft habe. Insider erzählen sogar, dass die Pharmaindustrie für 30.000 Euro ihr genehme Experten in der FAZ zu Wort kommen lässt. Dafür gäbe es ganze Autorenpools, je nach Zeitung und Größe variiere der Preis. Ob die jeweiligen Medien davon wissen oder nur dreckiger Undercover-PR der übelsten Sorte aufsitzen, steht auf einem anderen Blatt.
Es gibt Zeitschriften, die leben davon, dass man sich eine Präsenz in ihr erkauft. Viele Stadtmagazine leben so. Beim Vice-Magazin gehört eine klug gemachte Vermischung von ungekennzeichneter Werbung und Artikeln zum Kerngeschäft. Von abgehalfterten Volksmusikstars will ich gar nicht reden. Aber war es nicht die Serie Marienhof, die sich Dialoge von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bezahlen ließ. Und sind es nicht Experten der gleichen Lobbyorganisation, die bei Anne Will & Co auf Dauerrotation laufen.
Medien sind ein dreckiges Geschäft und dieser Blogskandal (“Tsunami”) gehört eher zu den kleineren Auswüchsen. Klar ist: wer Werbung nicht kennzeichnet, ist unglaubwürdig. Dass Pallenberg die beteiligten Blogs nicht nennt, ist schade. Denn Leser haben ein Recht darauf, zu wissen, ob sie gekaufte Scheisse oder journalistische Erzeugnisse lesen. Wenn sie das nicht sowieso selber merken.
Update: Über Pallenberg schlagen jetzt die Wellen zusammen. Und das doppelt: einerseits rauscht eine Horde von SEO-Fritzen an, die – wie man ihrer Aufregung anmerkt – ihr Geschäftsmodell angegriffen sehen und ihn aufs Übelste anpöbeln. Das zeigt eigentlich ganz gut, dass er mit seiner kleinen Recherche ins Schwarze trifft. Auf der anderen Seite bekommt Pallenberg jetzt zu spüren, dass seine großmundigen Ankündigungen “aufsehenerregensten Geschichte der deutschen Blogosphäre dieses Jahr” vielleicht etwas zu hoch gegriffen waren. Wer die Revolution ankündigt und eine kleine Demo macht, sorgt für Enttäuschung. Bitter an der ganzen Geschichte finde ich, dass diese Form der Schleichwerbung von vielen als ganz normal hingenommen wird. Pallenberg täte gut daran, wenn er jetzt nachlegt und die beteiligten Blogs auch noch aufdeckt – denn zumindest sollte es diesen Leuten ein bisschen wehtun.
Werbung kolonisiert immer weiter neue Räume: In Kalifornien wird gerade diskutiert, ob Auto-Nummernschilder elektronische Werbeflächen sein dürfen. Und Augmented Reality ist mittlerweile auch keine Rocket Science mehr. Mit Hoppala kann man seit neuestem ohne technisches Fachwissen AR-Layer erstellen, was uns mit Sicherheit bald eine Lawine dümmlicher Werbeanwendungen bescheren wird, weil jetzt jede Hinterhofagentur beim nächsten großen Ding mitspielen darf. Wie eine mit AR-Layern total durchgebrandete, gar nicht mehr so ferne Zukunft aussehen kann, zeigt das Video Domestic Robocop, das als Masterarbeit eines Architekten enstanden ist.













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