Die stille Relevanz

Wer dieses Jahr durch die Hallen der Games Convention in Leipzig gehetzt ist, konnte eine Anmutung von dem bekommen, was da in Zukunft passieren wird. Riesige Stände, eine einzige große Party – die Spielebranche feiert sich hier jedes Jahr selbst und jedes Jahr noch einen Tick bombastischer.

Gesellschaftlich lange Zeit verpöhnt oder vom Meinungsmainstream als Freak- und Nerd-Hobby abgetan, haben es die Publisher – allen voran Branchenriese Electronic Arts (EA) – geschafft, eine wirtschaftliche Position zu erlangen, die aus der Spieleindustrie ein echtes Schwergewicht machen. Ähnlich wie bei Heino, der zwar 14 Millionen Platten verkauft, aber kaum bekennende Fans hat, haben die Spieleschmieden jenseits jeden gesellschaftlichen Diskurses (Erfurt, Counter Strike, Kinder werden fett und unglücklich) ordentlich verkauft. Allein die so erreichte Verbreitung führt zu einer Relevanz, die viele Nicht-Gamer immer noch überrascht.

Wenn man an dieser Stelle noch den Jahresumsatz von EA anführt (3,2 Milliarden US-Dollar), ist die Verwunderung des SPIEGEL-Bildungsbürgers perfekt. So viel Geld machen die? Ja. Und um dem ganzen noch eins drauf zu setzen, startet EA jetzt einen neuen Unternehmensbereich und gründet ein eigenes Musiklabel. Über iTunes und andere Portale wird EA Recordings zukünftig die eigens für Games produzierte Musik verbreiten, in Kooperation mit der Nettwerk Music Group.

„Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der die Videospiele im Vergleich zum Radio eindeutig mehr Menschen mit ihrer Musik erreichen”, so Terry McBride, CEO, Nettwerk Music Group. „Wir freuen uns schon sehr darauf, die Melodien und Soundtracks von EA den Musikliebhabern und Spiele-Fans anbieten zu können.” Und dabei entsprechend mitzuverdienen, sollte ehrlicherweise hier noch ergänzt werden.

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