Fraisr – Kapitalismus für die gute Sache

Gerade ist mit fraisr.com ein neuer Marktplatz ans Netz gegangen. Ein kleines Startup aus Berlin hat da die letzten Monate dran gebastelt. Ok, noch ein Marktplatz, noch ein Berliner Startup – ist doch nichts neues. Doch. Denn Fraisr verbindet Fundraising mit dem guten alten Flomarktprinzip: „Friendraising“ und “Commerce with a Cause” nennen die Macher das Konzept.

Und dieses Konzept ist denkbar einfach: du verkaufst irgendwelche Dinge oder Dienstleistungen und kannst einstellen, wieviel Prozent des Erlöses an ein Projekt oder eine Nichtregierungsorganisation (NGO) gehen. Das können eigene Projekte sein oder ein offizieller Spendenpartner von Fraisr, wie z.B. Reporter ohne Grenzen. Bei den offiziellen Spendenpartnern gibt es für Privatpersonen sogar eine Spendenquittung fürs Finanzamt.

Wie sieht das dann konkret aus: Wenn ich jetzt zum Beispiel das Buch „Streetart – the graffiti revolution“ für 15 Euro kaufe, gehen 50% an die DKMS – Deutsche Knochenmarkspendedatei. Oder vielleicht doch lieber den Bürostuhl „Verner“ für 50 Euro holen und 25% an Reporter ohne Grenzen spenden?

Einloggen kann man sich bei Fraisr übrigens via Facebook und Twitter. Über soziale Netzwerke sollen die Verkäufe beworben werden. Unter Freunden und Followern. Womit wir wieder beim oben genannten „Friendraising“ wären.

Die Idee ist also denkbar einfach und ergänzt das Repertoire des Spendens und Crowdfundings um eine weitere Facette. Mich wundert ja, dass nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen ist.

Denn irgendwelchen Kram, den man immer schon loswerden wollte, hat ja jeder zuhause. Und wenn sich dieser Kram noch nützlich verkaufen lässt, dann ist zwar immer noch Kapitalismus, aber immerhin für einen guten Zweck. „Fraisr richtet sich an alle Menschen, die gerne Handel treiben, kaufen und verkaufen – und denen dabei die Welt nicht scheissegal ist“ sagt Fraisr-Mitgründer Lukas-Christian Fischer. Das trifft es wohl ziemlich auf den Punkt.

Wer sich jetzt noch fragt; wie wollen denn die als Startup Geld verdienen? Ganz einfach: Sechs Prozent des Umsatzes behält Fraisr für die Abwicklung als Provision ein. Das ist fair und deutlich weniger als einbehalten wird, wenn Du einer NGO auf der Straße einen Dauerauftrag zusicherst.

Disclaimer: Einer der Gründer von fraisr.com war Mitgründer und Autor von metronaut.de

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

3 Kommentare

  1. Tolle Sache! Als Betreiber eines Online-Shops für Upcycling-Accessoires liegen uns nicht nur die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie am Herzen. Viele unserer Fair-Trade-Produkte auf Recycling-Vielfalt.de aus den Bereichen Mode- und Wohnaccessoires werden in kleinen Initiativen gefertigt.
    Die Möglichkeit des Verkaufs mit unmittelbarer Spende ist eine wunderbare Ergänzung, die wir sicher in Zukunft nutzen werden.

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