Aktivismus lohnt sich: Panzerdeal mit Saudis offenbar geplatzt

Nach Informationen des Handelsblatts ist der Panzer-Deal von Krauss-Maffei Wegmann mit Saudi-Arabien geplatzt. Das berichtet die Rheinische Post:

Die Saudis hätten sich über die massive Kritik an dem geplanten Geschäft in der deutschen Öffentlichkeit geärgert, berichtete das “Handelsblatt”. Zudem hätten sie offenkundig inzwischen die Geduld verloren, immerhin liege die Voranfrage für den Deal seit zwei Jahren bei der Bundesregierung auf dem Tisch.

Die Bundesregierung hatte die Entscheidung über das umstrittene Geschäft schon im Juni 2012 auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Das berichtete damals ein Hauptstadtjournalist unter vorgehaltener Hand.

Einen großen Anteil an der “massiven Kritik in der deutschen Öffentlichkeit” hatte die 25000-Euro-Kampagne. Aktivisten des Zentrums für politische Schönheit hatten damals die Anteilseigner der Panzerschmiede Krauss-Maffei-Wegmann in die Öffentlichkeit gezerrt und 25000 Euro ausgelobt für Hinweise, die zu einer Verurteilung dieser Personen führen würden.

Die Kampagne (hier eine ausführliche Beschreibung aus dem Netzpolitischen Jahresbericht 2012) hatte das Thema aus dem Stand wieder bundesweit auf die Agenda gesetzt und die Debatte um den Deal beflügelt. Einer der Anteilseigner der Panzerfirma distanzierte sich gar vom Deal mit dem autoritären Saudi-Arabien.

Der Fall zeigt, dass kluger Aktivismus und radikale Kampagnen auch mit sehr geringer Geldausstattung eine große Wirkung gegen milliardenschwere Konzerne erzielen können. Die Kampagne konnte der weit verbreiteten Ablehnung des Rüstungsgeschäfts einen Platz in der medialen Arena öffnen und gab so anderen Akteuren von Oppositionspolitikern bis zu pazifischen Organisationen Raum für ihren Protest.

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

4 Kommentare

  1. martin däniken says:

    Die Verantwortlichen warten bis irgendwas anderes passiert dann wird der Deal wieder aktuell.Oder man findet “Freunde” die unbedenklich sind und die liefern die Panzer..Da steckt zuviel Geld drin!

    • John F. Nebel says:

      Mit deiner Haltung kannst Du halt gleich aufgeben und das Handtuch werfen. Machst Du das eigentlich immer so, dass Du auf ein Blog kommst und dann alle Artikel durchkommentierst? Interessanter Ansatz…

  2. martin däniken says:

    Ja wenn man mal nen guten Lauf hat,sollte man das nutzen. Und was das Handtuch werfen angeht… Wenn man zum Beispiel Cyril Northcote Parkinsons Betrachtung von Bürokratie nimmt Erkenntnisse von Gruppendynamik und drüber nachdenkt wie bestimmte Sachen funktionieren und nicht wie man es gerne hätte! Und meinen speziellen Freund Suntzu:”Wenn du dich und deinen Feind kennst wirst du immer siegen.Kennst du nur dich oder deinen Feind wirst nur die Hälfte aller Schlachten gewinnen.Kennst du weder dich noch deinen Feind wirst nie einen Sieg erringen.” Und sich dann die politische Aktivitäten anschaut sieht man das entweder die vorgenannten Erkenntnisse nicht verstanden und/oder nicht umgesetzt werden. Ich versuch weder moralisch den Finger zuerheben noch bierernst zusein,weil dann keiner zuhört. Etwas das in Deutschland zuselten vorkommt,oder.Und das man hier auch gewohnt ist! Wenns zu ausufernd war ein ganz dickes Sorry.

  3. Martin Däniken says:

    Mal wieder ist ein Geschäft geplatzt oder sieht es nur so aus?
    Auf einem der privaten Nachrichtensender lief mal eine DDoku über Westpoint,meine bei den Absolventen einen Omani gesehen zuhaben…
    Gibt es nicht Bundeswehrschulungsstätten,die vorurteilsfrei Leute aus den Golfstaaten Strategie/taktik/Waffentechnik lehren gegen gute Aufträge die bei mehr oder weniger informellen Treffen mit Rüstungsvertretern abgeschlossen werden….
    Da die BRD nicht so ideologisch belastet ist wie Ruissland oder die USA ergeben sich dann doch eher Anknüpfungspunkte.
    Ich kann mir durchaus einen Personen-/Wissenstransfer zum IS vorstellen,Herr Michael Lüders erwähnt immer einen Länderfinanzausgleich und die bürokratische Struktur des IS.
    Sollte man mal drüber nachdenken?!
    Der IS hat aus allen Herren Länder Geiseln und Aktionen gegen diese am laufen,aber Deutschland ist bisher verschont worden? Zufall?

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