Suche nach Schnellkochtöpfen und werde verdächtig

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“Ich war bei der Arbeit als es passierte” schreibt Michele Catalano. Ihr Mann hingegen ist mit den zwei Hunden zuhause, als um 9 Uhr morgens drei dunkle schwere Wagen vor dem Haus halten und Sicherheitskräfte aussteigen.

Six gentleman in casual clothes emerged from the vehicles and spread out as they walked toward the house, two toward the backyard on one side, two on the other side, two toward the front door.

A million things went through my husband’s head. None of which were right. He walked outside and the men greeted him by flashing badges. He could see they all had guns holstered in their waistbands.

Die Männer, die sich als “joint terrorism task force” vorstellen, fragen Micheles Mann, ob sie ins Haus kommen dürfen. Er bejaht. Sie fragen, ob sie sich im Haus umschauen dürfen. Er bejaht. Sie inspizieren Regale und Zimmer, stellen ihm Fragen:

Where is he from? Where are his parents from? They asked about me, where was I, where do I work, where do my parents live. Do you have any bombs, they asked. Do you own a pressure cooker? My husband said no, but we have a rice cooker. Can you make a bomb with that? My husband said no, my wife uses it to make quinoa. What the hell is quinoa, they asked.

Dann kommt die Frage:

Have you ever looked up how to make a pressure cooker bomb? My husband, ever the oppositional kind, asked them if they themselves weren’t curious as to how a pressure cooker bomb works, if they ever looked it up. Two of them admitted they did.

Irgendwie bemerken die Sicherheitskräfte, dass sie hier falsch sind. Das sind keine Terroristen. Da passt nichts in Muster. Sie gehen. Verabschieden sich per Handschlag. Für Michele, die von dem Vorfall per Telefon erfährt, ist klar, dass ihre schon etwas länger zurückliegenden Google-Suchen nach “Rucksäcken” und “Schnellkochtöpfen” diesen Einsatz ausgelöst haben:

That’s when I felt a sense of creeping dread take over. What else had I looked up? What kind of searches did I do that alone seemed innocent enough but put together could make someone suspicious? Were they judging me because my house was a mess (Oh my god, the joint terrorism task force was in my house and there were dirty dishes in my sink!). Mostly I felt a great sense of anxiety. This is where we are at. Where you have no expectation of privacy. Where trying to learn how to cook some lentils could possibly land you on a watch list. Where you have to watch every little thing you do because someone else is watching every little thing you do.

Die Geschichte, die Michele am Donnerstag auf medium.com veröffentlicht, wird viral. Verbreitet sich rasend in Blogs und auf Twitter. Journalisten des Guardian fangen an zu recherchieren. Sie können nicht herausfinden, welche Einheiten genau für den Hausbesuch zuständig waren. Das FBI verweist auf die County Police von Nassau, die zusammen mit der Suffolk County Police gehandelt hätte. Die Suffolk Police habe wiederum die Untersuchung an das FBI weitergeleitet. Beim FBI will niemand sagen, ob Informationen ausgetauscht wurden. Bei der Nassau Police will niemand an der Aktion beteiligt sein. In Suffolk County steht jedoch ein so genanntes Fusion Center, das mit dem Department of Homeland Security zusammenarbeitet. Beide Behörden geben dem Atlantic Wire keine Auskunft, ob sie an der Aktion beteiligt waren.

Manche Stimmen bezweifeln, ob die Google-Suche nach Schnellkochtöpfen zum Besuch durch die Polizei führten oder andere Faktoren. Aber viele Fragen bleiben offen: Wie kam es dazu dass Michele Catalano und ihr Mann verdächtigt wurden? Was waren die Verdächtigungen genau? Welche “Task Force” stattete den Hausbesuch ab? Welche Behörden tauschten welche Informationen aus?

Dann veröffentlicht, wie Techcrunch berichtet, das Suffolk Police Department die Pressemitteilung, dass eine Computerfirma “auffällige” Suchen eines Angestellten gemeldet habe:

Suffolk County Criminal Intelligence Detectives received a tip from a Bay Shore based computer company regarding suspicious computer searches conducted by a recently released employee. The former employee’s computer searches took place on this employee’s workplace computer. On that computer, the employee searched the terms “pressure cooker bombs” and “backpacks.”

After interviewing the company representatives, Suffolk County Police Detectives visited the subject’s home to ask about the suspicious internet searches. The incident was investigated by Suffolk County Police Department’s Criminal Intelligence Detectives and was determined to be non-criminal in nature.

Es bewahrheitet sich also, dass Suchbegriffe zur Überprüfung durch die Polizei führten. Auch wenn Google, FBI und die NSA hier wohl nicht die Finger im Spiel hatten. Dennoch macht diese Geschichte sehr eindrucksvoll klar, was der Überwachungsstaat für uns alle bedeutet: Jeder ist verdächtig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Und wir müssen uns bei jeder Google-Suche, bei jedem Klick auf eine Webseite oder einen Wikipedia-Artikel fragen, ob diese Handlung uns nicht zu Verdächtigen macht. Entweder, weil Überwachungsmechanismen des Staates greifen oder die anfallenden Datenspuren am Arbeitsplatz einen übervorsichtigen Admin zum Denunzianten machen.

Das genau ist das Problem mit der anlasslosen Überwachung.

geschrieben von: John F. Nebel

John F. Nebel ist Blogger, Podcaster und Journalist. Bei Metronaut sind seine Themen Soziale Bewegungen, Grundrechte, Freiheit, Überwachung, Netzpolitik, Aktivismus, Public Relations und alles andere, was ihn gerade interessiert.

2 Kommentare

  1. martin däniken says:

    Mir fällt da nur Terry Gilliams “Brazil” ein…Ein bisserl Dreck an der richtig falschen Stelle und die Hölle bricht los!

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