Datenkraken trollen

CC-BY-NC-ND Let Ideas Compete

Die App Adblock Plus versteckt Werbung. Doch damit sammeln die Firmen immer noch Daten derjenigen, die kein Adblock haben. Profile werden weiterhin erstellt um gezielt zu werben oder dem lokalen Geheimdienst zu schenken, die Datenbanken werden für sehr viel Geld an Dritte verkauft.

Wenn ihr dieses System ein bisschen trollen wollt, könnt ihr euch jetzt die Browser Extension AdNauseam installieren. Die App “klickt” im Hintergrund auf alle Werbungen, die Adblock ausgeblendet hat. Umso mehr Leute das tun, desto so wertloser könnten eure Nutzer*innenprofile werden. Obfuscation nennt sich, was da passiert. Daran gibt es allerdings Zweifel, weil die Werbenetzwerke nicht nur auf Klicks reagieren, sondern auf Surfverhalten generell, wie z.B. die Technologie des Re-Targeting zeigt.

Falls die Werbenetzwerke die App nicht automatisch erkennen, müssten sogar die Kunden für geklickte Werbung zahlen, die nie ein Mensch gesehen hat. Wenn ihr die App eine Weile nutzt und dann (auch Adblock) wieder deaktiviert, wundert euch nicht, wenn bei Spiegel Online, Facebook oder Amazon plötzlich Werbung steht, die mit euch nichts zu tun hat. Wenn ihr Windel- neben Partnersuch-Plattformen seht, hat’s geklappt: was euer Leben prägt, ist zumindest für Werbenetzwerke nicht mehr so klar zu erkennen.

Die App wurde von Helen Nissbaum, Professorin für Medien, Kultur und Informatik an New York University, Daniel C. Howe, netzpolitischer Künstler und Mushon Zer-Aviv, israelisch-amerikanischer Desinformations-Aktivist entwickelt. Mehr zu Nissenbaums Projekten hat Ethan Zuckerman zusammengestellt. Das ästhetisch recht skurrile Erklärvideo zu AdNauseam gibt es hier:

Klarstellung:
Adblock Plus hat Dreck am stecken, weil sie sich von Google schmieren ließen. Das soll hier also keine Werbung für korrupte Adblock Plus Leute sein. Nein. Aber Adnauseam ist es durchaus wert mal genauer zu betrachten. Wir möchten an dieser Stelle auch warnen: Das ist wohl eher ein Kunstprojekt als ein Schutz von Privatsphäre oder gar Anonymität. Dazu braucht es andere Tools. Aber Werbenetzwerke ein bisschen zu trollen, kann kein Fehler sein.

geschrieben von: Paula Ow

Paula Ow ist Spezialistin für Enttaxonomifizierung und Desinformation. Wenn sie Verantwortung übernehmen soll, sagt sie immer: “Die einzig gültige Form mit Macht umzugehen, ist sie zu verteilen.” Hier berichtet sie nur von gut recherchierten Wahrheiten. Sie lebt in Kathmandu und Übach-Palenberg.

6 Kommentare

  1. da]v[ax says:

    Moin,

    der letzte Absatz ist sehr irreführend. Du meinst sicher “AdBlockPlus”, wenn du von “korrupten AdBlock Leuten” redest. Dann könntest du vielleicht auch gleich noch auch AdBlock Edge hinweisen, das ein Fork von AdBlockPlus ist und im Zuge genau dieser Änderung von ABP entstand, als APB sich entschloss “nicht-intrusive” Werbung zuzulassen.

    Es grüßt, daMax

  2. John F. Nebel says:

    Ist jetzt ergänzt, weil irreführend. Danke für den Hinweis.

  3. Julian says:

    Bonus: Wenn die Werbung per Klick bezahlt wird, nun, dann kostet das die Werbetreibenden richtig Asche.

  4. Faldrian says:

    Ich habs gerade mal installiert… kanns sein, dass die Erweiterung nicht funtioniert, wenn man NoScript ebenfalls installiert hat? Bei mir erkennt er zwar Ads (wenn ich Noscript für die entsprechenden Werbenetzwerke freischalte), aber er klickt keine davon…

  5. Paula Ow says:

    Mit NoScript zusammen geht es wohl nicht. Und es geht wohl nur mit Adblock Plus und nicht mit Adblock Edge. Hat Twitter gesagt.

    • Faldrian says:

      Ich habe dann auch mal nen Bugreport eingereicht, dann können die sich das angucken und eine Lösung für NoScript finden. :)

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