Gericht in Türkei verhängt Nachrichtensperre, Twitter blockiert (Update)

Seit heute 10:50 Uhr (MEZ) ist Twitter bei vielen Providern in der Türkei komplett gesperrt. Es ist nur noch mit VPN zu erreichen, berichten Aktivisten vor Ort.

Offizieller Hintergrund ist eine Nachrichtensperre, die ein türkisches Gericht verfügt hat, wie Spiegel.de berichtet:

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu heißt es in der Entscheidung des Gerichts in Suruc, die “Publikation von visuellem Material in Bezug auf den Terrorangriff” sei in Zeitungen und im Fernsehen untersagt. Ebenso seien Seiten im Internet, die Material von dem Anschlag zeigen, zu sperren.

Ein Journalist vor Ort bestätigte uns, dass die Nachrichtensperre offiziell verhängt sei. Durchgesetzt wurde bislang aber erst die Twitter-Blockade.

Politische Aktivisten vermuten, dass sich die Twitter-Sperre gar nicht so sehr gegen die Verbreitung von Bildern rund um den Anschlag richtet, sondern vielmehr die Organisation von Protesten erschweren soll. Seit dem Anschlag hat es in verschiedenen Orten des Landes Proteste gegeben, die teilweise von der Polizei gewaltsam beendet wurden.

In der Türkei haben sich aufgrund der starken Zensur und Kontrolle von klassischen Medien, die sozialen Medien zum wichtigsten Instrument der Mobilisierung entwickelt. In der Türkei sind prozentual deutlich mehr Menschen auf Twitter als beispielsweise in Deutschland.

Update:
Angeblich soll Twitter wieder hochgefahren werden, wenn Bilder des Anschlages in der Türkei auf Twitter wegzensiert sind. Das berichtet die Deutsche Welle.

Ein türkisches Gericht habe die Twitter-Sperre wieder aufgehoben, nachdem die beanstandeten Bilder zensiert seien, verkündet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu auf Twitter. Wir haben noch keine Meldung aus der Türkei, ob Twitter wieder erreichbar ist.

Laut Heise.de ist die Twitter-Sperre wieder aufgehoben, User melden aber immer noch Zugangsprobleme.

Unterdessen gehen die Proteste gegen die AKP-Regierung weiter. Unsere Bilder zeigen einen Trauerzug im Raum Istanbul, der von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet wird:

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