Wegen einer Recherche: Twitter hat unseren Redaktionsaccount seit zwei Wochen gesperrt

Wir wollten am 13. Mai im Zusammenhang von #twittersperrt zu Recherchezwecken mit einem vollkommen unsinnigen Honeypot-Tweet ausprobieren, wie leicht sich die Moderation von Twitter triggern lässt. Dazu reihten wir Wörter aneinander, die während der #twittersperrt-Welle als Triggerwörter augetaucht waren.

Twitters Moderationsmaschine schien auf die gequirlte Scheisse hereinzufallen: Am 15. Mai sperrte Twitter mit dem Hinweis auf einen „Verstoß gegen unsere Regeln zum Veröffentlichen von irreführenden Informationen zu Wahlen“ die Bedienung des Accounts, so dass wir seitdem nicht mehr twittern können. Twitter verlangt, dass wir den Account mit einer Telefonummer verknüpfen und den beanstandeten Tweet löschen. Das wollten wir nicht tun und haben stattdessen Einspruch eingelegt und auf eine Recherche sowie die Kontextualisierung des Tweets hingewiesen.

Seitdem haben wir außer einer automatisierten Antwort nichts mehr von Twitter gehört. Der Account ist weg und die Beschwerde irgendwo im Nirvana eines unsäglichen, willkürlichen Prozesses gelandet, bei dem die Kunden nicht wissen, was passiert, wie es weitergeht, wo eigentlich das Problem liegt. Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber Plattformen wie Twitter & Co. zu einem Beschwerdemanagement verpflichtet, das diesen Namen auch verdient.

Man kann nur den Kopf darüber schütteln mit welch stumpfsinnigen Aktionismus ein global agierender Konzern vorgibt gegen Desinformation vorzugehen. Dabei ist auffällig, dass Twitters Moderation absolut nicht in der Lage ist Tweets in Kontext zu setzen und vollkommen unfähig ist Satire zu erkennen. Das hat zu zahlreichen absolut unsinnigen Sperrungen von Twitter-Accounts und damit Eingriffen in die Meinungsfreiheit geführt. Ähnlich wie Metronaut geht es dem Autor Tom Hillenbrand, dessen Account seit drei Wochen wegen einer Satire gesperrt ist. Hillenbrand wehrt sich auch juristisch gegen den Konzern. Dafür fehlt uns das Geld und die Zeit.

Wir fordern deshalb unverzüglich den vollen Zugriff auf unseren Account zurück.

Wir freuen uns über Öffentlichkeit in dieser Sache.

Update:

Twitter hat am 31. Mai geantwortet:

We’re writing to let you know that we have reviewed your appeal, and your account features will remain locked or limited for the allotted time or pending completion of the assigned task(s), due to violations of the Twitter Rules.

Attempted voter suppression, including attempted voter intimidation or providing false information about voting or registering to vote, or any unlawful activity, is prohibited under our Rules. You can review these guidelines at https://twitter.com/rules.

Der Account bleibt gesperrt und wir müssen den Anweisungen (Telefonnummer angeben und Löschen des Tweets) folgen.

9 Kommentare

  1. Senjiu says:

    Ich hab bisher 2 Twitter accounts aufgemacht, beide wurden nach wenigen Minuten gesperrt wegen verdächtigen Vehaltens und zum Entsperren wurde eine Telefonnummer verlangt. Das seh ich aber nicht ein, ich glaube das ist einfach eine Masche weil die Telefonnummer relativ viel wert ist (beziehungsweise ein Datenprofil, das man verkauft, wesentlich wertvoller macht), wesentlich mehr als eine email Adresse.

    • John F. Nebel says:

      Der Account existiert seit 11 Jahren.

      • MM says:

        Falschaussagen im dem Honeypot-Tweet:
        – Man könne nach 18 Uhr wählen
        – Man bekommt für’s wählen Geld
        – Man darf dem Wahlzettel unterschreiben
        – Manche Stimmen zählen doppelt

        Ich verstehe nicht ganz was an der Löschung jetzt überraschend, oder sogar negativ zu bewerten ist. Man kann Twitter sicherlich viel vorverfen, aber Falschinformationen zu Wahlen zu unterbinden bewerte ich positiv.

  2. Dietrich Herrmann says:

    Mein Account http://www.twitter.com/d_herrmann ist nun auch seit 3 Wochen gesperrt – wegen zweier völlig harmloser Satire-Tweets.
    Auf meine Einsprüche folgten bislang nur die folgenden automatisierten Antworten:
    „Während wir deinen Einspruch prüfen, kannst du nicht auf deinen Twitter Account zugreifen. Wir sehen uns die Angelegenheit an und antworten so bald wie möglich.
    Wenn du deine Tweets lieber einfach löschen möchtest, kannst du deinen Einspruch zurückziehen.“

    Statt „antworten so bald wie möglich“ höre ich seit 3 Wochen nichts, gar nichts von Twitter.

  3. nop says:

    Emanzipiert euch halt von Twitter.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Fediverse

    • thorstenv says:

      Es ist fraglich, wie lang der Wechsel auf alternative Anbieter hilft. 1) ist was wir hier sehen nur ein Uploadfilter für Text. Da diese oiffiziel ja nicht vorgeschrieben sind, gibt es keine Regeln, wie sie gestaltet sein so0llen 2) sind allerdings Regelnb von der CDU-Vorsitzenden angekündigt, um die Meinungsmache zu beenden.

  4. Frau Sanders says:

    Macht euch einen Account bei Mastodon. 🐘 herzlich willkommen

  5. DJ Doena says:

    „Der Account ist weg und die Beschwerde irgendwo im Nirvana eines unsäglichen, willkürlichen Prozesses gelandet, bei dem die Kunden nicht wissen, was passiert, wie es weitergeht, wo eigentlich das Problem liegt.“

    Bezahlt ihr für Twitter? Habt ihr einen Vertrag? Nein. Dann seid ihr nicht der Kunde, sondern die Ware.

  6. Jim says:

    Mastodon hat inzwischen genug User und gerade die Zielgruppe von metronaut ist schon da. Los los. Geht ja erst mal auch einfach zusätzlich ;-).

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